Botticelli

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BEI DER AUSWAHL DER ABBILDUNGEN leitete den Verlag nicht die Absicht, einen kritischen Katalog der eigenhändigen. Werke Botticellis herzustellen oder eine Reproduktion seines Gesamtwerkes zu bieten, sondern er wollte weiten Kreisen die Bekanntschaft mit all jenen Schönheiten vermitteln, die sich direkt oder indirekt auf Botticelli zurückführen lassen. Der Betrachter wird dabei eingeladen, gemeinsam mit Botticelli zu sehen und vielleicht auch mit ihm zu fühlen, zu träumen.

Nun folge ich gerne der Einladung des Herausgebers, weil die Reproduktionen sehr gut ausgeführt sind, aber ich trete beiseite, weil diejenigen, die mit dem Künstler empfinden und träumen wollen, einer solchen Vorrede kaum bedürfen. Und doch kann es leicht geschehen, daß mancher sich über die Anregungen, die sein Gefühl oder seine Phantasie von diesem Werk empfing, nachher Rechenschaft geben will. Da aber der Weg zum Verständnis der Kunst lang und schwierig ist und wir hier bisweilen gleich Herakles am Scheideweg von Gut und Böse stehen, so wird ein Wegweiser manchem willkommen, ja für manchen unentbehrlich sein. Und solch ein Wegweiser will dieses Vorwort sein.

Weder die Zeichnung noch die Modellierung, weder die Farbe noch die Komposition Botticellis entsprechen den sogenannten Kunstgesetzen; denn diese sind ja nur aus der ,,klassischen" Kunst abstrahiert, nämlich aus der hellenischen des 4. Jahrhunderts v. Ch. und aus der italienischen des 16. Jahrhunderts. Nun darf man nicht aus Angstlichkeit Unrecht tun, wenn man Botticelli liebt, und nicht glauben, seine Kunst sei unvollkommeri, weil sie ,,primitiv" ist. Gerade Walter Pater, der doch als erster in Botticellis Gefühls- und Vorstellungswelt tiefer eingedrungen ist, hat diesen Fehler begangen, als er ihn unter Leonardo und Michelangelo stellte. Wer Botticelli empfindet und sich von seinen Träumereien rühren läßt, sollte doch weder an Leonardo denken, noch an Michelangelo, noch an die klassische Kunst. In unbewußter Sicherheit sollte jeder spüren, daß die Persönlichkeit Botticellis das Absolute ist und die ,,Gesetze der Kunst" das Relative.

Es gilt nicht, Fehler und Vorzüge an Botticelli zu finden, sondern seine Persönlichkeit zu erfassen; und nur wenn diese Persönlichkeit einmal weniger stark hervortritt, wird man von ,,Fehlern" reden dürfen, in ihrer starken Ausprägung aber Wert und Schönheit erkennen! Botticellis Konturen sind deutlicher und schärfer als jene Leonardos, sie sind also anders, aber nicht geringer. Denn der Maßstab für diese Werte heißt einzig und allein: Botticelli! Bei Leonardo hängt zum Beispiel die Einheit jeder Szene davon ab, wie sehr sich jedes Element der Verteilung von Hell und Dunkel subordiniert; diese Einheit von Hell und Dunkel . . .

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