Goethes Romane

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Excerpt

Der Roman hat Goethe fast sein ganzes schöpferisches Leben hindurch beschäftigt. Als Fünfundzwanzigjähriger errang er 1774 Weltruhm mit Die Leiden des jungen Werthers . Keine drei Jahre vor seinem Tode, 1829, veröffentlichte er mit der zweiten Fassung von Wilhelm Meisters Wanderjahre das letzte Werk dieser Gattung; es gab wenige Jahre während dieses halben Jahrhunderts, in denen er nicht an der Vollendung eines seiner vier Romane -- Werther, Wilhelm Meisters Lehrjahre, Die WahlverwandtSchaften, Wilhelm Meisters Wanderjahre -- arbeitete. Der Roman ist zwar keineswegs die einzige Gattung der erzählenden Prosa, in der er seine Kräfte versuchte. Auch in anderen Formen -- auf dem Gebiet der Autobiographie, der Novelle, der Geschichte der Wissenschaft -- hat er Maßgebliches geleistet. Überhaupt ist seine Prosa -- ob sie diejenigen der Tagebücher oder Briefe, des autobiographischen Berichtes oder der Erzählung sei -- für die Entwicklung der deutschen Prosa bestimmend gewesen. In seinem Werk wurde eine einmalige Höhe der deutschen Dichtung -- sprachlich und formal -- erreicht .

Im Roman schuf Goethe Prosawerke, deren Wirkung -- in Breite und Tiefe am größten -- weit über die Grenzen unseres Sprachbereiches drang. Mit Ausnahme von Faust sind Werther und die Lehrjahre die einzigen Werke, die, Coethes Forderung Genüge leistend, in der Weltliteratur Aufnahme gefunden haben; der Lyrik und den Dramen ist dies trotz ihres hohen Ranges nicht gelungen. Das mag ganz einfach daran liegen, daß die erzählende Prosa in der Übersetzung unmittelbarer und weniger verfälscht vermittelt werden kann.

Coethe hat, gleich Schiller, dem Roman nie dieselbe poetische Bedeutung zugemessen wie dem Drama, dem Versepos oder der Lyrik; trotzdem wandte er einen großen Teil seiner schöpferischen Energie und Zeit der Vollendung von Romanen zu, so daß diese Werke zweifelsohne einen wesentlichen Teil seiner Dichtung darstellen. Worin liegt dieser Zwiespalt begründet? Das Studium der einzelnen Romane kann uns einer Antwort auf diese Frage näherbringen.

Der Roman bietet gewisse Schwierigkeiten für die Analyse, welche in Lyrik und Drama so nicht zutage treten. Gerade weil in der Prosa «die Form den Stoff nicht völlig vertilgt zu haben scheint », setzt die Analyse leicht am falschen Platz ein; man ist versucht, den Gehalt unmittelbar erkennen zu wollen. Dann wird man dem Gehalt nicht gerecht, nimmt einzelne aus dem Zusammenhang gelöste Teile heraus, analysiert ohne . . .

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