Academic journal article Trames

Poesie der Musik: Zur Intermedialitat in Robert Schumanns Fruhen schriften/Poetry and Music: On the Intermediality in the Early Writings of Robert Schumann

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Poesie der Musik: Zur Intermedialitat in Robert Schumanns Fruhen schriften/Poetry and Music: On the Intermediality in the Early Writings of Robert Schumann

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1. Einleitung

1.1. Bestimmung des Themas und Diskussion bisheriger Forschungsergebnisse

Die Beschaftigung mit dem schriftstellerischen Werk Robert Schumanns hat mittlerweile schon eine relativ lange, wenn auch keine weit zuruckreichende Tradition. Die Tatsache, dass dieser Komponist auch ein umfangreiches dichterisches Schaffen hinterlassen hat, wurde bis zu den 1990er Jahren von der Forschung nur zogernd wahrgenommen. In dieser Dekade erschienen gewichtige Studien, die sich mit Schumanns literarischen und musikasthetischen Schriften auseinandersetzten (etwa Appel 1991, Hotaki 1998). In vielen dieser Arbeiten druckte sich die Forderung aus, dass die kunftigen Forschungen der bekannten biographischen Tatsache uber die doppelte (musikalische wie schriftstellerische) Begabung Schumanns weniger Beachtung schenken sollten. Statt dessen konne Schumanns literarische Tatigkeit als eine Vorstufe zu seinem kompositorischen Schaffen verstanden werden. In diesem Kontext spielen drei Quellenpublikationen eine besondere Rolle: C. Wenkes Ubertragung der Gedichtsammlung "Blatter und Blumchen aus der goldenen Aue" (1991), L. Hotakis Edition der "Mottosammlung" (1998) und A. Heeros kommentierte Ausgabe des Gedichtbandes "Allerley aus der Feder Roberts an der Mulde" (2003). Durch diese Veroffentlichungen wurden erstmals wichtige Primartexte der Forschung zur Verfugung gestellt und ein neuer Zugang zum schriftstellerischen Werk Robert Schumanns eroffnet. Seitdem konnten auf diesem Gebiet zahlreiche neue Erkenntnisse gewonnen werden (etwa Schweikert 2006).

Diese Quellenpublikationen geben auch wertvolle Auskunft uber Robert Schumanns asthetische Ansichten sowie seine Literatur- und Musikanschauung. An sich ist dies ein vielfach untersuchtes Forschungsgebiet, denn Schumanns Konzeption der "poetischen Musik" oder "musikalischen Poetik" wurde in zahlreichen Studien beispielhaft erlautert (etwa Floros 1981), genauso wie seine Tatigkeit als Musikkritiker und Redakteur der "Neuen Zeitschrift fur Musik" (z.B. Plantinga 1967) und seine Wirkung als Musikasthetiker (z.B. Lippman 1964). In der jungsten Zeit thematisierten einige Studien auch die Erkenntnis, dass Schumanns asthetische Anschauungen sich auf der Idee der Zusammenwirkung und Verflechtung von Literatur und Musik grunden (etwa Cone 1991, Tadday 1999), d.h. Schumanns kompositorischer Anfang findet in einem intermedialen Bereich statt. Dieses Charakteristikum Schumanns, das sehr stark von den Ideen der deutschen Romantik inspiriert ist (vgl. Tadday 1999:166-167), formierte sich aber nicht erst wahrend seiner Arbeit als Musikkritiker und -schriftsteller, sondern schon in seinen Schuljahren, als er seine ersten Dichtungen und musiktheoretischen Essays verfasste. Deshalb konzentriert sich die vorliegende Studie auf Schumanns Jugendlyrik, Schulaufsatze und fruhe Tagebucher und versucht, anhand von diesen Texten seine fruhe Literatur- und Musikanschauung sowie seinen Wechsel von der Literatur zur Musik zu rekonstruieren.

1.2. Begriffsbestimmung. Ziele der Arbeit

Die Erforschung von Beziehungen zwischen Literatur und Musik reicht in die 1970/80er Jahre zuruck. Einen Grundstein bilden hierbei die Arbeiten Steven Paul Schers. In seinem Handbuch "Literatur und Musik" (1984) unterscheidet er zwischen drei Beziehungstypen: Musik und Literatur (Prasenz der beiden Kunste), Literatur in der Musik (Programmmusik) und Musik in der Literatur (,Wortmusik', dichterische Nachahmung von akustischer Qualitat der Musik) (Scher 1984:11-12). Die dritte Kategorie konnte auch auf die literarischen Texte des jungen Robert Schumann zutreffen. Das Motiv der in der Literatur prasenten Musik schwingt in den meisten Texten des jungen Schumann fast immer mit. Viele seiner Gedichte bezeichnet er als "Lieder" (obwohl sie nicht vertont worden sind), immer wieder tauchen in seinen Prosatexten musikalisch-akustische Erscheinungen auf und es wird uber das Wort-Ton-Verhaltnis reflektiert. …

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