Academic journal article Trames

Der Biblische Weg Zum Glauben an das Ewige Leben

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Der Biblische Weg Zum Glauben an das Ewige Leben

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1. Einfuhrung

"Mitten hier im Leben sind wir vom Tod umfangen ..." Der Satz, da[ss] der Anfang des Lebens der Anfang seines Endes ist, erscheint vielleicht nicht nur auf den ersten Blick banal. Denn wer wu[ss]te es nicht, da[ss] alle Menschen sterben mussen? Auch wenn wie diesen Sachverhalt philosophisch umschreiben und sagen: "Alles, was endlich ist, nimmt ein Ende." scheinen wir uns lediglich auf der Stelle zu bewegen und einen Allgemeinplatz zu wiederholen. In Wahrheit begrunden beide Satze die Tatsache, da[ss] und warum nicht nur alles, was lebt, sondern auch alles was entsteht, mit Notwendigkeit verganglich ist. Der Mensch aber nimmt in diesem allgemeinen Zusammenhang des Werdens und Verstehens insofern eine Sonderstellung, als er nicht lediglich dem dumpfen Gefuhl einer unausweichlichen Gefahrdung ausgeliefert ist, sondern da[ss] er um die Unausweichlichkeit seines Endes wei[ss]. In der Regel verdrangt er dieses Wissen, um sich mit dem Satz zu beruhigen, da[ss] alle Menschen sterben mussen, da[ss] "man" sterben mu[ss]. Aber zwischen dem Wissen, da[ss] "man sterben mu[ss]", und der Anerkenntnis, da[ss] ich selbst sterben mu[ss], besteht ein fundamentaler Unterschied. Sage ich: "Man mu[ss] sterben!", so halte ich mir die Tatsache, da[ss] ich sterben mu[ss], vom Halse. Sage ich: "Ich mu[ss] sterben!", so anerkenne ich, da[ss] auch mein Leben ein Ende nehmen wird. (2)

Es ist verstandlich, da[ss] man diese Einsicht verdrangt; denn sie scheint alles, was wir sind, bewirken, wollen und gelten, zu entwerten und zu vernichten. Sind wir davon uberzeugt, da[ss] es keinen Gott gibt, der Ursprung, tragender Grund und unbedingte Zukunft unserer Lebens ist, so blickt uns das bare Nichts an.--Vor einiger Zeit fand ich in einem meiner Bucher einen vergilbten Zettel, auf den mir einst ein Student ein Gedicht abgeschrieben hatte, das diesem Gefuhl letzter Verlassenheit und Vergeblichkeit gultigen Ausdruck gibt. Seinen Verfasser zu ermitteln, ist mir bislang nicht gelungen. Von ihm sei hier die letzte Strophe zitiert: (3)

   Uber die Garten der Erde heult der Wind!
   Seht, wie der Staub durch die Hand mir gleitet und rinnt.
   Einst sind wir nichts mehr als der flie[ss]ende Sand,
   vielleicht wieder in zitternder Menschenhand.
   Augen, hungrig wie unsre, voll Gier nach dem Licht,
   blicken in wehenden Staub und erkennen uns nicht.
   Angst uberschwemmt mich und tiefe, tiefe Pein,
   bin so verganglich und mochte doch ewig sein.
   Ist irgendein Mensch auf Erden, der mit mir wacht? So
   komm, o komm, es ist tiefe Nacht.

2. Die altbiblische Antwort

Folgen wir dem biblischen Weg, der zum Glauben an das ewige Leben gefuhrt hat, so mussen wir sachgema[ss] mit dem Alten Testament einsetzen. In ihm leuchtet in dieser Beziehung zunachst kein besonderes Licht auf: Seine Erzahler, Propheten, Dichter und Weisen teilten bis in die Hellenistische Epoche (332-63 v.Chr.) (und teilweise daruber hinaus) den allgemeinen altmediterranen Totenglauben. (4) Nach ihm verla[ss]t die Seele mit dem letzten Atemzug den Leib und fahrt in die Unterwelt hinab.5 Sein mythischer Herrscher wurde bei den Kanaanitern mit dem personifizierten Tod gleichgesetzt. (6) In dem "literarischen Paganismus" (7) des Hiobbuches hei[ss]t er "der Konig der Schrecken." (8) (Hiob 18,14). Wurde der Tote von seinen Sohnen rite begraben und im Familiengrab beigesetzt, so wurde er mit seinen Vatern (und Muttern) auch in der Unterwelt vereinigt. Dort aber erlosch das Bewu[ss]tsein des Menschen vollstandig. Das Hochste, was ein Mensch erreichen konnte, war es also, alt und lebenssatt zu sterben, um dann zu den Vatern versammelt zu werden, wie es in der Schlu[ss]bemerkung der Abrahamerzahlung in Gen 25,7-10 hei[ss]t: "Das aber ist Abrahams Alter, das er gelebt hat: 175 Jahre. Und er nahm ab und starb in einem ruhigen Alter, da er alt und lebenssatt war, und ward versammelt zu seinem Volk."

Doch so wie fur die Alten, um es paradox auszudrucken, jede Schwachung des Lebens eine Form des Todes war, war fur sie auch der Tod die schwachste Form des Lebens. …

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