Academic journal article Estonian Journal of Archaeology

3. Einfuhrung in Die Problematik

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3. Einfuhrung in Die Problematik

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Die Erforschung der Bronzezeit im Ostbaltikum (1) stellt wegen der sparlichen und z. T. einseitigen archaologischen Quellensituation eine schwierige Herausforderung dar. Zunachst fehlt es in dieser Region an jener periodisch wechselnden Dynamik wie sie im alpinen, mitteleuropaischen oder im sudskandinavischen Raum zu beobachten ist. Erste regionsubergreifende, einschneidende Veranderungen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Art machen sich ostlich der Ostsee erst zum Ende des zweiten und zu Beginn des ersten vorchristlichen Jahrtausends bemerkbar. In Estland setzt eine zunehmende Differenzierung im Siedlungswesen mit komplex organisierten Siedlungsformen erst um 1200-900 BC ein. Dann jedoch zeigen sich die Siedlungsokonomien der west--und nordestnischen Insel--und Kustenzone in einer in der estnischen Vorgeschichte bis dato noch nicht gekannten Dynamik, Intensivierung und regionalen Diversifizierung.

An dieser Stelle sollen die aktuellen Probleme und Schwierigkeiten der Bronzezeitforschung Estlands kurz angesprochen, dabei die chronologischen Eckdaten und die Periodisierung der Bronze--und Eisenzeit dieser Region vorgestellt werden.

3.1. Chronologie und Periodisierung der Estnischen Bronzezeit

Angesprochen sei kurz das Schema der Periodisierung der estnischen Vorgeschichte, wie es in der ortlichen Fachliteratur benutzt wird. Traditionell wird die ostbaltische Bronzezeitregion zur Einflusssphare des Nordischen Kreises, d. h. der sudskandinavischen Stilprovinz alter--und jungerbronzezeitlicher Metallfunde, gerechnet. Ausschlaggebend fur die chronologische Angliederung an das Montelius'sche Periodenschema sind die vereinzelten, im Ostbaltikum vorkommenden Bronzefunde. Die meisten stellen nordische Typen dar (Importe) oder wurden im Typus solchen nachempfunden. Nach der konventionellen Methode des Kulturenvergleichs und unter Zuhilfenahme einiger Radiokarbondaten basiert die estnische Bronzezeitchronologie auf der Periodisierung nach Montelius.

Spatneolithikum         3200/3000-1800 BC
Altere Bronzezeit         1800-1100 BC
  (epineolithisch)
Spate Bronzezeit           1100-500 BC
Vorromische Eisenzeit     500 BC-50 AD
Romische Eisenzeit          50-450 AD
Mittlere Eisenzeit         450-800 AD
Jungere Eisenzeit        800-ca.1200/1220
Beginn des Mittelalters   ca. 1200/1220

Die zeitliche Trennlinie (1100 BC) zwischen der Alteren und Spaten Bronzezeit wird durch das Aufkommen fruhester Steinkistengraber markiert, was ungefahr dem Beginn der Montelius-Periode IV entspricht. Erst in dieser fruhen Phase der Spatbronzezeit nimmt in Estland die Zahl der archaologischen Denkmaler und Funde, insbesondere sudskandinavische Importfunde (Metalle, Keramik) oder deren lokale Nachahmungen stetig zu. Aus diesem Grund wird in der estnischen Archaologie von einer Alteren und Spaten Bronzezeit gesprochen, auch in Anlehnung an das Montelius Periodisierungsschema (Altere und Jungere/Spate Bronzezeit der Perioden I--III bzw. IV-VI) (siehe Lang & Kriiska 2001). Fur eine Mittelbronzezeit-Phase, die sich in Nord--und Ostmitteleuropa zwischen 16001300 BC im Metallfundspektrum und in Bestattungsformen zu erkennen gibt (Montelius-Perioden IB-II; sog. Vorlausitzer Kultur), fehlt es fur Estland derzeit an Anhaltspunkten (siehe unten). Doch geben die in den letzten Jahren reichlich hinzu gewonnenen (14) C-datierten Funddenkmaler (v. a. fossile Felder) Anlass zur Hoffnung, dass sich kunftig Leitformen und Datierungsanker fur eine dreiphasige Periodenteilung der Estnischen Bronzezeit herausarbeiten lassen werden (so Lang 2007b, 15).

In den Beginn der Spatbronzezeit, nach neueren Forschungen um 1200-1100 BC, fallen also in Estland die ersten Steinkistengraber. Auch der bislang einzige Metallhort auf estnischem Territorium stammt aus dieser Zeit (spate Montelius-Periode IV). Die Siedlungen der Asva-Gruppe entstanden nach Ausweis der Keramik und Gussformen der altesten Phase der Besiedlung erst im spaten Abschnitt der Periode V (auch fruhes VI; siehe Kap. …

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