Academic journal article Estonian Journal of Archaeology

9. Chronologie: Entstehungszeit Und Lebensdauer der Siedlungsplatze

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9. Chronologie: Entstehungszeit Und Lebensdauer der Siedlungsplatze

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Die Siedlungen der Asva-Gruppe gelten als ein rein spatbronzezeitliches Phanomen, wobei deren Entstehung und Niedergang jeweils in die erste Halfte des letzten vorchristlichen Jahrtausends fallen. Asva ist der einzige estnische Siedlungsplatz mit mehreren von Brandhorizonten unterbrochenen Phasen und fur Ridala ist zu beobachten, dass der Phase mit dem fur Asva typischen Fundspektrum an Henkelschalen, Gussformen und Knochen--und Geweihgeraten eine fruhere mit Pfostenkonstruktionen (Palisaden) vorausging. Im Fundmaterial von Iru und Kaali finden sich Parallelen (z. B. Henkelschalen, Grobkeramik und Ringgussformen), die ebenfalls eine vorubergehend gleichzeitige Existenz der Besiedlung der untersuchten Platze wahrscheinlich machen (Kap. 5).

Problembehaftet sind allerdings die bisherigen Versuche, chronologische Eckdaten fur Beginn und Ende bzw. die Existenzdauer dieser Platze zu ermitteln. Wie sich herausstellt, lassen sich fur die Spate Bronzezeit und den Ubergangszeitraum zur Fruhen Eisenzeit die Methoden der Kreuzdatierung uber Importfunde und Radiokarbondatierung nur unzureichend anwenden. Die Einteilung der Montelius-Perioden IV-VI der Nordischen Bronzezeit, die den langen Zeitraum von 1100-500 BC abdecken, jeweils in fast zweihundertjahrige Intervalle gegliedert (IV: 1100-950 BC; V: 950-750 BC; VI: 750-500 BC), baut vornehmlich auf der Basis einer chronologisch stringenten Typen--und Stilentwicklung der Bronzefunde auf. Die betreffenden Bronzen mit Leitmerkmalen stammen jedoch, anders als in der Alteren Bronzezeit mit vielen Grabfundkontexten, grosstenteils aus Mehrstuckhorten mit verschiedenen Objekttypen (siehe z. B. Maraszek 2006). Das Problem dieser auf gemischten Hortfunden basierenden Typenchronologie ist nicht nur, dass die Periodengrenzen als fliessend aufzufassen sind, und 'datierende' Leittypen wie die sog. Brillenfibeln, die kurzen Tullenbeilformen oder etwa die Scheibenkopfnadeln aus Asva und Harnevi mitunter lange und nicht genau abschatzbare Laufzeiten gehabt haben konnen. Auch ist der Zeitpunkt der Deponierung der metallfuhrenden Hort--und Einzelfunde i. d. R. nicht zu ermitteln. Was die ganze Thematik der Datierung zusatzlich verkompliziert, ist, dass ausgerechnet der Periodenubergang von der Spatbronzezeit zur Fruheisenzeit in einen Abschnitt fallt, bei dem selbst entwickelte naturwissenschaftliche Methoden der absoluten Altersbestimmung uber die Verfallsmessung radioaktiven Kohlenstoffs auf Kalibrierungsprobleme stossen (sog. Hallstatt-Plateau; dazu unten).

Fruheste Versuche, chronologische Anhaltspunkte und Eckdaten zu Dauer, Unterbrechung oder Abbruch der estnischen Bronzezeitsiedlungen mit Hilfe naturwissenschaftlicher Methoden zu gewinnen, gehen bereits in die spaten 1960er Jahre zuruck. Es war Vello Lougas, der fruhzeitig von der Methode der Altersbestimmung mittels Radiokarbondatierung von Holzkohle Gebrauch machte (Lougas 1967). (187) Die im Ergebnis seiner Grabungskampagnen in Asva F (19651966) analysierte Holzkohle entstammte Bauholzern niedergebrannter Wohnbauten aus alteren und jungeren Brandschichten der Bronzezeitsiedlung. Den aus diesen Einzelproben gewonnenen Absolutdaten wurde lange Zeit grosse Bedeutung beigemessen. Diese sollten namlich nicht nur Zeitpunkt der Siedlungsbrande der spatbronzezeitlichen Phasen Asva I und II anzeigen. Sie sollten Lougas zufolge auch die kulturhistorisch bedeutsame Periodenwende zur Fruheisenzeit datieren, die mit der Phase der Neubesiedlung (Asva II) parallelisiert wurde (Lougas 1967; 1970a, 231 ff.; Jaanits et al. 1982, 146, 172). Aus heutiger Sicht ist ein solch festdatierter Periodenubergang auf Grundlage der damals gangigen Interpretation der Radiokarbondaten in Bezug auf vermeintlich relevante Stilentwicklungen in archaologischen Fundgruppen (auch Grabern) nicht mehr haltbar (siehe Lang & Kriiska 2001; Lang 1996, 308 ff.). Gegenwartig beruht der betreffende Periodenubergang zur Fruheisenzeit aus Mangel an datierenden Anhaltspunkten auf konventioneller Festlegung, in Orientierung am Montelius'schen Periodensystem der Nordischen Bronzezeit. …

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