Academic journal article German Quarterly

Nibelungenlied und Nibelungenklage. Neue Wege der Forschung

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Nibelungenlied und Nibelungenklage. Neue Wege der Forschung

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Fasbender, Christoph, ed. Nibelungenlied und Nibelungenklage. Neue Wege der Forschung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgemeinschaft, 2005. 237 pp. euro34.90 hardcover.

Hochwillkommen ist der Band, weil in der Tat in den letzten 25 Jahren "neue Wege der Forschung" zu Nibelungenlied und Klage beschritten wurden; die Auswahl der Aufsätze repräsentiert diese weitgehend angemessen. Die Einleitung von Christoph Fasbender gibt als Orientierung die beiden Extreme vom Verständnis des Nibelungenepikers vor: "Schalten" mit der Sagentradition oder "Verwalten" derselben. Für erstere stehen va. die Beiträge von Walter Haug (1987), Peter Strohschneider (1997) und Jan-Dirk Müller (2001). Die Bedeutung der Sagentradition für die Interpretation des liedes wird ganz unterschiedlich gesehen: als notwendige Folie oder als ausdrücklich nicht zu beachtende Dimension, da die Rekonstruktion der Sage mit zu viel Unsicherheiten und Willküurlichkeiten behaftet ist (Müller). Haug öff net einen weiten intertextuellen Verständnishorizont, vor dem die Modernität des Nibelungenliedes deutlich wird: verschiedene Erzählmuster aus der nibelungischen und heldenepischen Tradition, dem Brautwerbungsschema und dem höfischen Roman werden "montiert" und damit dekonstruiert. Der Text experimentiert auf beispiellose Weise mit Subjektivität. Fritz Peter Knapp (1987) sieht das Nibelungenlied vor dem Hintergrund der antiken Dichtung, die das Verständnis als tragoedia vorgab und damit die Verschriftlichung des Nibelungenliedes ermöglichte. Jan-Dirk Müller stellt das lied vor den Horizont des kulturellen Kontextes und der Gattung und betrachtet das Uberschiefiende: den Sog der Katastrophe und seine "Spielregeln" als einen "Problematisierungsversuch" sondersgleichen. Peter Strohschneider geht radikal textimmanent vor und deutet in faszinierender Stringenz den 1. Teil als strukturelle Konstruktionen von Superiorität und Hegemonie mit Hilfe u.a. des Brautwerbungsschemas. Während bei diesen Interpreten die Akzente auf der Konstruktionsleistung des Epikers um 1200 liegen, der im souveränen Umgang mit der Sage eine bewußt briichige conjointure geschaffen habe, vertritt v. …

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