Academic journal article German Quarterly

The Decline and Fall of Virgil in Eighteenth-Century Germany. The Repressed Muse

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The Decline and Fall of Virgil in Eighteenth-Century Germany. The Repressed Muse

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18th and 19th Century Literature and Culture Atherton, Geoffrey. The Decline and Fall of Virgil in Eighteenth-Century Germany. The Repressed Muse. Rochester: Camden House, 2006.336pp. $75.00 hardcover.

Die Römer, soviel stand fur Friedrich August Wolf fest, waren Nachahmer und Spätlinge, denen es, anders als den Griechen, an Ursprünglichkeit und Eigenständigkeit mangel te. In der "Darstellung der Alterthums-Wissenschaft" von 1807 stellt der Altphilologe fest:

Die Römer waren [...] nicht ein VoIk von originalen Talenten, ausser in der Kunst zu erobern und zu herrschen; sie gingen sogleich in ihrer frühesten Policirung, nachher in den mehresten Künsten, von den Mustern ihrer Nachbarn, meistens griechischer Stämme, aus; sie ahmten späterhin, als sie eine Litteratur gleich einer ausländischen Waare bei sich aufnahmen, die Griechen mit Eifer nach. (Friedrich August Wolf, "Darstellung der Alterthums-Wissenschaft," in: Museum der Alterthums-Wissenschaft, hg. v. Friedrich August Wolf und Philipp Buttmann, Erster Band, Berlin 1807, S. 22.)

In dasselbe Horn stießen fast alle namhaften Zeitgenossen: Seit Winckelmann entwickelte sich das kulturelle Selbstbewusstsein der Gebildeten in Deutschland nicht zuletzt in der Orientierung an der Kunst und Literatur der Griechen, während die römischen Klassiker die autoritative Geltung einbüßten, die sie jahrhundertelang besessen hatten. Die deutsche Graecomanie des klassischen Zeitalters ist bekannt und oft untersucht worden. Geoffrey Atherton stutzt sich auf neuere Forschungen, die zeigen, dass der Orientierung deutscher Autoren an den Griechen eine Art nationaler Selbstaufwertungsstrategie im europäischen Vergleich zugrunde lag.

Der Verfasser selbst verfährt umgekehrt: Er geht dem Schicksal Vergils nach, der zusammen mit der ganzen römischen Kultur vom abendländischen Bildungsthron gestoßen wurde, und folgt seinen verdeckten und oft genug verschwiegenen Spuren, um die geheime Rückseite der philhellenischen Ästhetik und literarischen Praxis aufzudecken. Die Studie über "Niedergang und Verfall Vergils" ist in ihrer Anlage ein klassischer Fall der Rezeptionsgeschichte. Ihren Reiz gewinnt sie daraus, dass sie gegen den Hauptstrom der Antikerezeption im Aufklärungsjahrhundert anschreibt. Denn während Vergil, so die These des Verfassers, als Imitator von Homer und Theokrit in die zweite oder dritte Reihe verwiesen wird, bleibt er doch in der Ependiskussion und der Idyllenliteratur allenthalben gegenwärtig. Die Studie bestätigt den Verdacht, dass die Gegenüberstellung von Vergil und Homer oder von Vergil und Theokrit, überhaupt die Konfrontation von Römern und Griechen als ein binärer Code funktionierte, der Nachahmung und Originalität, Geschichte und Natur kennzeichnete und einschlägige Wertungsakzente setzte. So ausgerüstet mustert der Verfasser aufs gründlichste die gelehrte, poetische, poetologische und ästhetisch-theoretische Literatur des 18. …

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