Academic journal article German Quarterly

Augen-Spiel. Jean Pauls optische Metaphorik der Unsterblichkeit

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Augen-Spiel. Jean Pauls optische Metaphorik der Unsterblichkeit

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Eickenrodt, Sabine. Augen-Spiel. Jean Pauls optische Metaphorik der Unsterblichkeit. Göttingen: Wallstein, 2006. 391 pp. euro46.00 hardcover.

Auf anregende Weise verknüpft die Autorin ihre Studien zur optischen Metaphorik, zu blinden Protagonisten, Starstechern, Augenleiden und -Operationen, mit dem Fragenkomplex zur Unsterblichkeit im Werk Jean Pauls. Blindsein ist einerseits oft mit Hellseherei und mit dem Blick ins Künftige oder ins Jenseits verbunden, andererseits symbolisiert es auch manchmal ein Nichtsehen der vorhandenen Wirklichkeit, ein Verblendetsein. Die Heilung von Blindsein ist dazu ein zentrales Motiv. Eickenrodt zeigt aufs Neue, wie vielfältig und gedankenreich die optische Metaphorik im Werk Jean Pauls zu finden ist, knüpft an bisherige Forschung zur Metaphorik und Visualität bei Jean Paul an, und schreibt, dass der Topos der Unsterblichkeit Jean Pauls gesamten Schriften und Romanen "als geheimes Generalthema zugrunde liegt" (15).

Das Buch ist chronologisch strukturiert. Das erste Kapitel enthält Studien zu Jean Pauls Register Artikel "Auge/Augen" im Nachlass, zeigt Jean Pauls theoretische Ansätze zu Witz, Metapher, und Allegorie in der Vorschule der Ästhetik und bietet Einblicke in das zeitgenössische Bildreservoir zu Ophthalmologie, Sinologie, und Aeropetomanie, welche jeweils als Voraussetzungen für diese Arbeit beansprucht werden. Eickenrodt legt den Schwerpunkt auf die Analyse von Romanen Jean Pauls bis 1800 und referiert Diskussionen zur Unsterblichkeit, von denen Jean Paul als "Simultanleser" (16) nicht nur Kenntnis nahm, sondern die er auch, vor allem in Briefen, kommentierte. Die in der Forschung oft zitierte November-Vision des eigenen Todes 1790 (15), die Jean Paul selbst erlebt und kommentiert hat, sowie die fiktionale Rede des toten Christus im Siebenkäs, oder die Sterbeszene des Emanuel im Hesperus werden im Romanzusammenhang und bezogen auf interessante zeitgenössische Debatten erforscht.

Sabine Eickenrodt gibt einen forschungsgeschichtlichen Überblick zu bisherigen Deutungen der Unsterblichkeit und konstatiert zwei Tendenzen: Einerseits ohne gründliche Textinterpretationen die philosophisch-ästhetischen Vorsaussetzungen historisch betrachtet herauszuarbeiten und andererseits die poetologischen Texte für sich zu lesen, aber ohne Bezug auf wichtige philosophische Debatten. Es gelingt ihr, die beiden Tendenzen anhand von Beispielen miteinander in Dialog zu bringen, sie um eine wichtige Dimension zu bereichern und zugleich das optische Bildinventar bei Jean Paul aufs Neue auf dem Hintergrund der Frage nach der Unsterblichkeit verständlicher zu machen.

Das zweite Kapitel zum Thema "Poetisches Starstechen: Optische Palingenesien des Erzählens in der Unsichtbaren Loge" handelt unter anderem vom Paradoxon des blinden Starstechens. Eickenrodt thematisiert die "Erlebnisunmöglichkeit des Todes" und den "Sinn des Sehens" nicht nur bei Jean Paul, sondern auch bei Bonnet, Moritz, und Kant. In dem Kapitel geht es auch um Mumien und künstliche Augen, wie sie nicht nur bei E. …

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