Academic journal article German Quarterly

Das Dilemma des weiblichen Ich

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Das Dilemma des weiblichen Ich

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Cornejo, Renata. Das Dilemma des weiblichen Ich. Vienna: Praesens Verlag, 2006. 245 pp. euro25.00 paperback.

Mit ihrer literaturwissenschaftlichen Studie versucht Cornejo die postfeministischen Identitäts- und Subjektivitätskonzepte der drei französischen Theoretikerinnen Hélène Cixous, Luce Irigaray und Julia Kristeva noch einmal auf ihre Brauchbarkeit für die Diskursanalyse abzuklopfen und ihren Einfluß auf das Schreiben der Frau an fünf Prosawerken von Elfriede Jelinek (Die Klavierspielerin, 1983), Anna Mitgutsch (Züchtigung, 1985; Das andere Gesicht, 1986) und Elisabeth Reichart (Februarschatten, 1984; Komm über den see, 1988) festzustellen. Die Perspektive ihrer Arbeit begründet sie damit, dass es eine Forschungslücke gebe. Denn die angloamerikanische feministische Literaturwissenschaft habe bei der Analyse der Werke von Jelinek, Mitgutsch und Reichart die französischen postfeministischen Theorien kaum berücksichtigt (8). Dies liege daran, meint Cornejo, dass in den USA "oppression als biologische Unterdrückung und die damit verbundene Frage nach der politischen Macht" betont wird, während in Frankreich "repression, die Ergründung des unbewußt Weiblichen" im Mittelpunkt stehe (15).

Cornejo versucht in der Folge sich an die Theorien zum "geschichts- und subjektloses Wesen der Frau" und zur "imaginierten Wirklichkeit in der Sprache" heranzuschreiben und diese aufzuschlüsseln. Schließlich gelangt sie in der Debatte über "feminine" versus "la femme" an die Grenzen des poststrukturalistischen Weiblichkeitsdiskurses und an den Ort seiner Kritik (31). Diesen teilt sie mit anderen Wissenschaftlerinnen, die "unter dem Begriff 'weiblich' historisch veränderbare, in der jeweiligen historischen und sozio-kulturellen Realität konkretisierbare Zuschreibungen unter Berücksichtigung der spezifischen weiblichen Erfahrung" verstehen (32).

In den vier weiteren Kapiteln beschäftigt sich Cornejo mit den drei Autorinnen und ihren Werken. Dass Cornejo ihre Untersuchung auf fünf Prosawerke der 80er Jahre beschränkt und nur ein einziges Werk von Jelinek in ihrer Studie bearbeitet, ist bedauerlich. Auch die knappe kategorische Absage an Jelineks Lust, weil der Text "weder thematisch noch sprachlich eine neue Perspektive auf das Werk von E. Jelinek" eröffne, verwundert (10). Eine Erweiterung der komparatistischen Analysen und Interpretationen von Werken, die in den 90er Jahren entstanden sind, wäre nicht nur wünschenswert sondern auch möglich gewesen. Denn der Band erschien erst vor kurzem und wurde zumindest teilweise - mit Informationen aus den letzten Jahren bereichert. Schwer verständlich ist auch Cornejos Erklärung, dass ihr ein Interview mit Jelinek nicht nötig schien, "da genügend Sekundärliteratur und eigene Stellungnahmen der Autorin zugänglich sind" (12). …

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