Academic journal article German Quarterly

Lexikon deutschsprachiger Epik und Dramatik von Autorinnen (1730-1900)

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Lexikon deutschsprachiger Epik und Dramatik von Autorinnen (1730-1900)

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Loster-Schneider, Gudrun, and Gaby Ruler, eds. Lexikon deutschsprachiger Epik und Dramatik von Autorinnen (1750-1900). Includes CD-ROM. Tübingen: Francke, 2006. 491 pp. euro128.00 hardcover.

Das Lexikon deutschsprachiger Epik und Dramatik ist ein lang erwartetes Desiderat. Die wenigen Lexika deutschsprachiger Schriftstellerinnen, die bisher auf dem Markt sind, liefern zwar grundlegende biographische Daten zu Autorinnen und Titeln der jeweiligen Hauptwerke sowie gelegentlich auch Hinweise auf die Thematik. Keine oder nur magere Aussagen zu den Inhalten einzelner Werke der zahlreichen Autorinnen des 18. und 19. Jahrhunderts aber sind darin zu finden, schon gar nicht zu ästhetischen Prämissen. Diese Lücken schließt das neue Lexikon, das sich als Pendant zum auf kanonisierte Werke meist männlicher Schriftsteller zentrierten Kindler Literatur Lexikon versteht - und es bietet noch einiges mehr.

Die Beiträge von international renommierten Spezialisten und Spezialistinnen für deutschsprachige Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts berücksichtigen 203 alphabetisch angeführte Autorinnen und 338 Werke. Präsentiert werden komprimierte Inhaltsangaben, die meist auch literatur- und kulturgeschichtliches Hintergrundwissen vermitteln sowie oft mit Querverweisen zu Werken anderer Schriftstellerinnen aufwarten. Am Ende jedes Eintrags gibt es Hinweise zu einzelnen Ausgaben der Werke und zur Forschungsliteratur.

Hervorzuheben sind diejenigen Beiträge, die auch auf besondere narrative Verfahren einzelner Schriftstellerinnen eingehen. Die unzähligen intertextuellen und intermedialen Bezüge (u.a. zu Texten Nietzsches und Bildern von Franz von Stuck) im Werk Hedwig Dohms zum Beispiel zeigen, das macht der Eintrag von Elf riede Pöder klar, wie innovativ deren Schreibverfahren war, und zwar nicht nur für die damalige Zeit. Auf ähnliche Weise macht der Eintrag von Gudrun Loster-Schneider deutlich, daß das bisher vorrangig aus erziehungshistorischer Perspektive rezipierte 700-seitige Gemälde weiblicher Erziehung (l807) von Caroline Rudolphi in die Tradition von Sophie von La Roches Werk zu stellen ist, weil es neben "theoretischen Diskursen" und "praxisorientiertem Lernmaterial" eben auch unterhaltsame Familiengeschichten präsentiert, in denen es um Mutter-Tochter-Beziehungen, Ersatzfamilien, Adoptionen und zahlreiche Auslandsreisen geht.

Gelegentlich verwundert es, daß die Herausgeberinnen es doch sehr genau mit dem im Titel des Lexikons festgelegten Forschungszeitraum (l 730-1900) nehmen. Das führt dann manchmal zu fast schon kuriosen Einschränkungen: bei Franziska zu Reventlow etwa. Unter ihrem Namen wird nur der eher unbekannte Text "Das gräfliche Milchgeschäft" von 1897 angeführt; erwähnt werden in diesem Eintrag von Gaby Pailer dann auch ihre beiden grundlegenden Essays "Das Männerphantom der Frau" (1897) und "Viragines oder Hetären" (1899), ihre ironisch-witzigen, in noch heute gut zu lesender Sprache verfaßten Romane "Ellen Olestjerne" (1903), "Herrn Dames Aufzeichnungen aus einem merkwürdigen Stadtteil" (1913) oder "Der Geldkomplex" (1916) hingegen erhalten keinen eigenen Eintrag, da sie nach 1900 erschienen. Diese Herangehensweise mag man hier und da bedauern, ist aber konsequent und hat auch ihren guten Sinn. …

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