Academic journal article German Quarterly

Deutsche Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts

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Deutsche Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts

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Hermand, Jost. Deutsche Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Darmstadt: Primus Verlag, 2006. 309 pp. euro34.90 hardcover.

Der Überblick über die vielfältigen Wandlungen der kulturellen und künstlerischen Landschaft vom Wilhelminischen Kaiserreich über die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus und Exils, die Teilung und das wiedervereinigte Deutschland, den uns Jost Hermand gibt, ist nuancenreich, facettenreich und kenntnisreich - kurz und gut, lehrreich.Zu den wichtigsten Nuancen gehört namentlich das Verständnis von Kultur, die hier mit Kunst einhergeht, als einer Form der ästhetischen Formgebung und Medialisierung (und nicht dem umfassenden, holistischen Begriff der Cultural Studies und Kulturwissenschaften entspricht.) Jost Hermand geht es nämlich insbesondere um die wachsende Spannung zwischen E(lite)-Kultur und U(nterhaltungs)-Kultur, oder auch, mit kulturgeschichtlichen Worten: um den Zusammenhang zwischen Kunst auf der einen Seite und Politik, Wirtschaft und sozialen Rahmenbedingungen auf der anderen. Man könnte soweit gehen, als von einer Geschichte der Hochkultur (wie Malerei, Architektur, Literatur, und Musik) in Auseinandersetzung mit populären Kulturformen (wie Film, Reklame, Design, Fotografie, Mode, Popmusik und Fernsehen) zu sprechen, gekoppelt an eine Geschichte beider Kulturarten in Auseinandersetzung mit deren politischen, sozialen und ökonomischen Voraussetzungen.

Daher ist das Buch so facettenreich: Die breite historische "Tour d'horizon" der letzten 100 Jahre umfasst bezeichnende Aspekte des Alltagslebens und der politischen Entwicklung und mündet in einen weiteren, "ubiquitären" Begriff der Kultur, der mit Fragen der Verhaltensweisen und der Sozialisation zusammenhängt. Kultur scheint nun überall zu sein als "eine Eventkultur, eine Esskultur, eine Tourismuskultur, eine Wohnkultur, ja sogar eine Badezimmerkultur, deren ästhetische Ausdrucksformen weitgehend von den kommerziellen Interessen der großen Konsumgüter und Freizeitindustrien abhängen" (16). Jost Hermand schlägt einen noch schärferen Ton am Ende seines Buches an: "Der alte Wunschtraum, der sich auf die Formel 'Kultur ist, wie der ganze Mensch lebt' stützte, schien sich zu diesem Zeitpunkt [in den 1990 Jahren], wenn auch auf eine bedauerlich depravierte Weise, endlich zu erfüllen" (280). Was sich wiederum nicht erfüllte, sei die erhoffte A- oder Allgemeinkultur, deren Wunschpro jektion auf die westdeutsche linksliberale Achtundsechzigerbewegung zurückgeht, welche die formalästhetisch eingestellte ? …

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