Academic journal article German Quarterly

Gottfried Keller: Vom Realismus zur Moderne

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Gottfried Keller: Vom Realismus zur Moderne

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18th and 19th Century Literature and Culture Amrein, Ursula, and Regina Dieterle, eds. Gottfried Keller: Vom Realismus zur Moderne. Berlin: de Gruyter, 2008. 248 pp. $137.00 hardcover.

Der von Ursula Amrein und Regina Dieterle herausgegebene Band Gottfried Keller und Theodor Fontane: Vom Realismus zur Moderne dokumentiert eine Tagung, die gemeinsam von der Gottfried Keller- und der Theodor Fontane-Gesellschaft im Mai 2006 in Zürich abgehalten wurde. Wie der Untertitel des Bandes andeutet, geht Amrein und Dieterles Vorhaben über ein bloß literarhistorisches bzw. philologisches Interesse an den wechselseitigen Beziehungen zwischen Keller und Fontane hinaus. Das literarische Werk beider Autoren, so die Grundthese, lässt sich nicht auf die poetologischen "Prämissen des poetischen Realismus reduzieren" (1-17). Vielmehr erlaubt Kellers und Fontanes Literatur - im Gegensatz zu ihren theoretischen Äußerungen - einen Ausblick auf literarische Praktiken der Moderne.

Dieser Identifizierung moderner Verfahrensweisen in den Texten des Realismus widmen sich explizit mehrere Beiträge. Beispielhaft seien hier Peter von Matts Aufsatz "Wetterleuchten der Moderne: Krisenzeichen des bürgerlichen Erzählens bei Keller und Fontane" und Michael Andermatts "Kontingenz als Problem des bürgerlichen Realismus: Raumgestaltung bei Fontane und Keller" erwähnt. So nötig es ist, gerade Kellers OEuvre aus den Zwängen eines dogmatisch verwendeten Realismusbegriffs zu befreien, so stellt sich dem Leser bei vielen der von Amrein und Dieterle versammelten Essays dennoch die Frage, worin genau die Modernität bzw. Postmodernität Kellers bzw. Fontanes besteht. Weiterführend in dieser Hinsicht scheint von Matts Ansatz, der Kellers Modernität besonders in dessen Spätwerk als eine Form des Anachronismus bzw. der Nachträglichkeit beschreibt. Folgt man Walter Benjamin, dessen KellerAufsatz von Matt zustimmend zitiert, "durchwaltet" Keller den "Raum des neunzehnten Jahrhunderts der Antike. Das, was Keller von anderen Realisten unterscheidet, besteht in seiner nachträglichen Antiquiertheit, wie sie sich z.B. in der Verwendung altertümlicher Genres wie der Legende erweist, welche es erlaubt, im Alten und Zurückgebliebenen das Neue und Fortschrittliche zur Sprache zu bringen. Es bleibt fraglich, ob diese "neu-alte Wahrheit" jedoch noch in Kategorien wie Realismus oder Moderne fassbar ist. "Erstmalige gültige Einsicht in Kellers Werk," so Benjamin, "ist an eine allgemach fällige Umwertung des neunzehnten Jahrhunderts gebunden, die allein mit den Verlegenheiten der Literarhistoriker aufzuräumen imstande sein wird. …

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