Academic journal article Austrian Journal of South - East Asian Studies

"In Our Hearts, We Do Not Have Trust": Frieden Und Bewaffnete Gruppen in Myanmar

Academic journal article Austrian Journal of South - East Asian Studies

"In Our Hearts, We Do Not Have Trust": Frieden Und Bewaffnete Gruppen in Myanmar

Article excerpt

INTRODUCTION

Die politischen Reformen in Myanmar und die zahlreichen Runden der Friedens- verhandlungen zwischen unterschiedlichen bewaffneten Oppositionsgruppen und der Regierung werden inner- und außerhalb des Landes als große Chance für die Realisierung von Frieden und Demokratie wahrgenommen. Die in der Allianz der 16 bewaffneten Gruppen, dem United Nationalities Federal Council (UNFC), vertrete- nen Führungskreise der Opposition bleiben jedoch skeptisch, inwiefern die aktuellen Entwicklungen auf einen Politikwandel der Regierung hindeuten. Sie interpretie- ren den von der Regierung eingeleiteten Reform- und Friedensprozess als Strategie, um die "ethnischen Nationalitäten"1 zu schwächen und die bestehende Machtver- teilung aufrechtzuerhalten. In der Literatur zu Transformations- und Friedenspro- zessen wird ökonomischen Bedingungen häufig eine große Bedeutung zugemessen (vgl. Collier & Hoeffler, 2000; Przeworski, Alvarez, Cheibub, & Limongi, 2000). So gelten die ökonomischen Motive bewaffneter Gruppen als Hindernisse für Frie- densprozesse. In dem vorliegenden Artikel möchte ich die Perspektive bewaffneter Gruppen in Myanmar auf den Transitionsprozess herausarbeiten und zeigen, dass die Friedensfähigkeit von bewaffneten Gruppen durch ihre Interpretation der aktu- ellen Situation beeinflusst wird. Ich beziehe mich auf den UNFC und zwei seiner Mit- gliederorganisationen, die Karen National Union (KNU) und die Kachin Independence Organization/Army (KIO/A). Ihre Perspektive auf den Transitionsprozess entwickeln die Führungskreise dieser bewaffneten Gruppen nicht aufgrund feststellbarer Verän- derungen, sondern basierend auf aktuellen und vergangenen Erfahrungen. Vergan- gene Erfahrungen wie die Zerstörung des Hauptquartiers der KNU in Manerplaw 1995 und aktuelle Erfahrungen wie der Bruch des Waffenstillstandsabkommen mit der KIO/A durch das myanmarische Militär 2011 führen bei bewaffneten Gruppen zu mangelndem Vertrauen in den Friedensprozess. Die Führungskreise bewaffneter Gruppen begegnen dem Friedensprozess daher mit Zurückhaltung. Ziel des Artikels ist es, einen Blick auf die vorherrschende Sicht der Führungskreise von KNU und KIO auf den Friedensprozess zu geben. Dadurch wird eine im wissenschaftlichen Diskurs bisher vernachlässigte Perspektive erschlossen.

Der vorliegende Artikel basiert auf mehr als 40 Interviews, welche ich während zwei vierwöchiger Feldforschungsaufenthalte im Mai/Juni 2012 und im Oktober/ November 2013 in Thailand (Bangkok, Nordthailand und Grenzregion zu Myanmar) und Myanmar (Yangon, Karen-Staat und Kachin-Staat) führte. Die Interviews wa- ren dabei nur wenig formalisiert und die Interviewfragen wurden in Abhängigkeit zu den jeweiligen InterviewpartnerInnen entwickelt. Die meisten Interviews wurden in englischer Sprache geführt. Wenn dies nicht möglich war, standen den Interview- ten nahestehende Personen als ÜbersetzerInnen zur Verfügung. So stellte ich sicher, dass in diesem sensiblen politischen Kontext die Anwesenheit der ÜbersetzerInnen die Aussagen nicht verfälschte. Die größte Herausforderung der Feldforschung be- stand im Zugang zu relevanten Personen. Auch wenn sich die politische Situation in den letzten Jahren entspannte, bedurfte es umfangreicher Vorarbeiten, um das Vertrauen von GegnerInnen der ehemaligen Militärregierung zu gewinnen. Bei der Vorbereitung der Feldforschung legte ich daher besonderen Wert auf die Identifi- zierung von und den Zugang zu relevanten InterviewpartnerInnen.2 Zu den Inter- viewpartnerInnen zählten politisch-militärische Vertreter der KNU, der KIO und RepräsentantInnen des United Nationalities Federal Council (UNFC), VertreterInnen lokaler Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen, FriedensaktivistInnen sowie ein Verhandlungsführer der Regierungsseite, heute Vertreter des Myanmar Peace Center (MPC). Zum Schutz der InterviewpartnerInnen wird auf die Angabe von Namen und Detailinformationen wie beispielsweise zum Ort der Interviews, die zu deren Identi- fizierung führen können, verzichtet. …

Search by... Author
Show... All Results Primary Sources Peer-reviewed

Oops!

An unknown error has occurred. Please click the button below to reload the page. If the problem persists, please try again in a little while.