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Editorial Zum Schwerpunktthema: Regionalisierung Im Bildungsbereich

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Editorial Zum Schwerpunktthema: Regionalisierung Im Bildungsbereich

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Die Verknüpfung und Vernetzung lokaler Akteure mit dem Ziel der Weiterentwicklung und Qualitätsverbesserung spezifischer regionaler Angebote und Leistungen wird allgemein als Regionalisierung aufgefasst und diskutiert (Heinelt, 2005). Während bei der Diskussion um Städtenetze vor allem aus einer raumplanerischen Perspektive argumentiert wird, greift der Diskurs über Regionalisierung auch auf politikwissenschaftliche sowie soziologische Theoriebestände zurück, wonach die Region offenbar zunehmend für die Modernisierung des Staates an Bedeutung gewinnt (Benz, 2001) und neue Gestaltungsräume und Handlungsmöglichkeiten, so genannte ,Arenen" (ebd.) für die beteiligten Akteure entstehen. Eine Modernisierung des Staates beinhaltet zum Teil Entstaatlichungsprozesse, wobei diese Entstaatlichung aber nicht als Verschwinden des Staates zu deuten ist, sondern eher als die Übernahme einer neuen Rolle, die durch die Handlungsmodi Kooperation und Aushandlung geprägt sind (Benz, 2001; Scharpf, 2000). Erst in neuen Kontexten und Strukturen, so die Annahme, können Lösungen für aktuelle Problemlagen entstehen, die mit herkömmlichen Steuerungsinstrumenten und -potenzialen des Staates nicht mehr erreichbar sind. Formen von Regionalisierung können somit verstanden werden als eine Reaktion auf Defizite sowie als Ergänzung der marktlichen und staatlichen Steuerung. Sie tritt dort auf, wo das Zusammenspiel staatlicher, kommunaler und privatwirtschaftlicher Akteure gefordert ist, um Probleme zu bearbeiten: das Zusammenwirken dreier Akteursgruppen (staatliche, kommunale, privatwirtschaft- liehe) in neu geschaffenen Kontexten ist das entscheidende Merkmal einer solchen Regional Governance (Fürst, 2004; Brüsemeister, 2012).

Im Bildungsbereich kann im Zuge der letzten Dekade neben den Maßnahmen der Neuen Steuerung wie die Einführung von Monitoringsystemen Regionalisierung als eine weitere reformerische Strategie ausgemacht werden, die zunächst dezentral in ihrer Anlage konzipiert ist (Berkemeyer, 2010): Regionalisierung im Bildungsbereich fokussiert auf die lokale Ebene als Ort spezifischer Problemlagen und ebenso spezifischer Ressourcen, wo relevante Akteure in Aushandlungsprozessen und vielfältigen Interdependenzgestaltungen kooperativ u. a. daran arbeiten, Problemlösungen für schulische Bedarfe zu schaffen und Schulentwicklung zu unterstützen. Entsprechende Programme, Maßnahmen und Projekte können mittlerweile in allen Bundesländern ausgemacht werden, mit und in denen bildungsbezogene Belange geregelt werden sollen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das sogar unter Bundesbeteiligung durchgeführte Programm Lernen vor Ort. Kern der Regionalisierungsidee ist dabei die Vorstellung, dass es sich um Prozesse reformerisehen Bemühens handelt, denen vor allem deshalb Problemlösekapazitäten zugesprochen werden, weil sie abseits bzw. ergänzend zu staatlichen Steuerungsaktivitäten auf die lokal spezifischen Herausforderungen mit ebenso lokal spezifischen Potentialen reagieren (sollen). Bildungspolitisch programmatisch gerahmt werden diese Maßnahmen durch einen inzwischen vielfach zitierten erweiterten Bildungsbegriff, den insbesondere der 12. Kinder- und Jugendgericht artikuliert und der informelle und formelle Lernprozesse sowie gleichrangig die unterschiedlichen Lernsettings auch außerhalb von Schule einschließt (BMFSFJ, 2005). Hierüber wird nun auch eine Vielfalt an "Bildungs-Settings" (Million, Heinrich & Coelen, 2015, S. 3) vorstellbar, die in den unterschiedlichsten, eben auch regionalen, lokalen oder kommunalen institutionalisierten Orten aufgeboten werden. Eine zunehmende Berücksichtigung solcher Settings sorgt für den Bedeutungszuwachs des lokalen Raumes in Bildungsfragen (ebd.; Berkemeyer, Hermstein & Manitius, 2015) sowie für eine zunehmende Beschäftigung damit, Angebote, Maßnahmen und Strukturbildungen in diesem Kontext zu koordinieren, z.B. mittels einer entsprechenden Stadtentwicklungspolitik (Coelen, Heinrich & Million, 2015).

So vielfältig und ausdifferenziert die unterschiedlichen Programmen und Projekte dieser Reform Strategie auch sind, ihnen allen ist gemein, dass sie für sämtliche schulische und außerschulische Bildungsanbieter Relevanz aufweisen sollen und mit ihnen die Entwicklung von Schul- und Bildungslandschaften forciert wird, was neue Formen von Partnerschaften und Netzwerkbildungen inkludiert. …

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