Academic journal article Journal for Educational Research Online

Zum Aufbau Von Arenen Des Bildungsmanagements in Lernen Vor Ort

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Zum Aufbau Von Arenen Des Bildungsmanagements in Lernen Vor Ort

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1. Einleitung

Im Programm Lernen vor Ort (LvO) werden seit 2009 aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie des Europäischen Sozialfonds 35 Kommunen (Kreise und kreisfreie Städte) dabei gefördert, ein integriertes, datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement (KBM) aufzubauen.1 Die geförderten Kommunen sollen, in Kooperation mit weiteren Akteuren,2 ein in sich zusammenhängendes und transparentes Bildungswesen entwickeln. Insbesondere sollen ganzheitliche Konzepte zum Lernen im Lebenslauf entstehen, bei denen alle Lernphasen der Bildungsbiographie Berücksichtigung finden. Zu diesem Zweck sollen alle wichtigen Bereiche und Akteure an einem kommunalen Standort einbezogen und unterschiedliche Zuständigkeiten zusammengeführt werden, so dass die verschiedenen Bildungsbereiche besser verzahnt und durchlässiger werden.

In der bisherigen Erforschung kommunaler Bildungslandschaften stand vor allem die Betrachtung derartiger Funktionen im Vordergrund. Im hiesigen Artikel soll es dagegen mit Hilfe von Daten aus dem Programm LvO um Prozesse des Aufbaus eines kommunalen Bildungsmanagements gehen, der in den ersten drei Jahren des Programms erfolgte. Die Analyse stellt große Anforderungen an ensprechend sensible theoretische Ansätze. Im Artikel beleuchten wir dazu im Rahmen der Governance-Perspektive konflikthafte Aushandlungsprozesse in konstruierten sozialen Arenen. Bevor im Hauptteil mehrere Arenen differenziert werden, erfolgt zunächst ein Blick auf den Stand der Forschung, das Konzept der sozialen Arenen und die verwendeten Methoden.3

2. Zugänge

2.1 Stand der Forschung

Der Aufbau eines kommunalen Bildungsmanagements, wie es in einem Programm wie LvO beabsichtigt ist, berührt auf den ersten Blick Fragen der Governance, da ein derartiges Bildungsmanagement - unter Federführung der Kommune - verschiedene Akteure aus Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft anspricht, was explizit auch die Governance-Perspektive analytisch zu erfassen sucht (Mayntz, 2004).

Empirische Untersuchungen von Governance-Aspekten werden hinsichtlich unterschiedlicher Funktionsbereiche und für verschiedene Ebenen unternommen (von global, über internationale und nationale Governance bis hin zu organisationalen und lokalen Bezügen; vgl. die Überblicke bei Benz, Lütz, Schimank & Simonis, 2007 und Schneider & Janning, 2006). Seit einiger Zeit ist dabei eine Zunahme von Bezugnahmen auf Aspekte einer lokalen Governance zu verzeichnen (Knoepfel & Kissling-Näf, 1993; Kissling-Näf & Knoepfel, 1998; Fürst, 2004, 2006; Heinelt, 2004, 2009; Holtkamp, 2007; Diller, 2006; Schwalb & Walk, 2007; Geißel, 2007; Bleckmann & Durdel, 2009; Luthe, 2009; Emminghaus & Tippelt, 2009; Reupold, Kuwan, Tippelt & Lindner, 2009; Bogumil, Kohrsmeyer & Gerber, 2009; Nuissl, 2010; Emmerich, 2010; Weishaupt, 2010; Stolz, Schalkhaußer & Täubig, 2011; Bollweg & Otto, 2011; Becker & Lohre, 2011; Hebborn, 2009; Maykus, 2009; Schäfer, 2011; Enggruber, 2012; Giesecke, 2012; Schmidt, 2012; Rolff, 2013), wobei diese im Bereich der Bildungsforsehung durch Programme wie Lernende Region und Lernen vor Ort mit inspiriert wurde (zu Letzteren Niedlich & Brüsemeister, 2011). Da Theoriebildung und empirische Untersuchungen lokaler Governanceformen erst beginnen, ist der Stand der Forschung jedoch insgesamt heterogen.

Dies gilt auch für die Kommune als hauptsächlichem Bezugspunkt, wie ihn das Programm Lernen vor Ort mit der Aufgabe vornimmt, ein integriertes Bildungsmanagement zu gestalten. Dennoch lässt sich davon ausgehen, dass lokale Sozialeinheiten sinnvolle Untersuchungseinheiten darstellen, da sie Teil einer Verräumlichung der Politik sind. Jede Politik muss ,verräumliehtc werden" (vgl. Knoepfel & Kissling-Näf, 1993), wie auch Untersuchungen zur lokalen Governance zeigen. Es wird davon ausgegangen, dass politisch gesetzte, rechtliche Normen und Programme das Handeln in Gemeinden und Regionen nicht determinieren, sondern beträchtliche Handlungsspielräume enthalten, Interessen zu artikulieren und zu formen (Heinelt, 2004). …

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