Academic journal article Journal for Educational Research Online

Gegenseitige Wertschätzung Als Gelingensbedingung Fur Professionsübergreifende Kooperationsprozesse Von Kindergarten Und Grundschule/Mutual Esteem as a Success Condition for Cooperation Processes between Kindergarten and Elementary School

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Gegenseitige Wertschätzung Als Gelingensbedingung Fur Professionsübergreifende Kooperationsprozesse Von Kindergarten Und Grundschule/Mutual Esteem as a Success Condition for Cooperation Processes between Kindergarten and Elementary School

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l. Theoretischer Hintergrund: Kindertageseinrichtung (Kita) und Grundschule

1.1 Unterschiede, Annäherungsprozesse und gemeinsame Herausforderungen

Ein Bereich professions- und institutionsübergreifender Kooperation, der seit einigen Jahren besondere Aufmerksamkeit erhält, ist die Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtung (Kita) und Grundschule. Die Bedeutung dieser ist dabei zwar aus praktischer und bildungspolitischer Sicht unbestritten (Bauer-Lachenmaier & Batura, 2012), gleichzeitig erscheinen Fragen nach Anschlussfähigkeit und Verhältnis beider Institutionen zueinander trotz eines historisch seit 1850 bestehenden Verlaufs in sog. "Verdichtungszonen" und darauf folgenden Abgrenzungsprozessen nach wie vor ungeklärt (Reyer, 2006, S. 212). Begründen lassen sich die Schwierigkeiten für Klärungsprozesse aus verschiedenen Perspektiven, wobei insbesondere strukturelle und organisatorische Widrigkeiten diskutiert werden: Kita und Grundschule als pädagogische Institutionen haben unterschiedliche gesellschaftliche Aufträge, Strukturen und Rahmenbedingungen. So kommen der Kita traditionell Aufgaben der Betreuung, Erziehung und Bildung von Kindern zu, der Besuch ist freiwillig und aufgrund einer vielfältigen Trägerstruktur existieren Einrichtungen, die sich in ihren konzeptionellen Ausrichtungen, räumlichen und zeitlichen Strukturen erheblich voneinander unterscheiden. Die Grundschule dagegen ist die erste verbindliche Institution für Kinder, die verpflichtend besucht wird. Traditionell steht hier die Bildung im Vordergrund. Grundschulen als Teil des Schulsystems sind in staatlicher Trägerschaft und folgen konzeptionell einem verbindlichen Bildungsplan (Einsiedler, 2012). Ein wesentlicher Auftrag der Grundschule ist zudem die Zuweisung der Kinder in die weiterführenden Schulen, welcher sich als Selektionsfunktion beschreiben lässt (Tillmann, 2000). Auf der Ebene der pädagogischen Fach- und Lehrkräfte kommt hinzu, dass vor dem Hintergrund eines in Deutschland stark ausdifferenzierten und spezialisierten Felds professioneller Pädagogen mit unterschiedlichen Berufsbildern und Selbstverständnissen, Handlungswissen und Berufspraktiken (Combe & Helsper, 1996; Dewe, Ferchhoff & Radtke, 1992) die Kooperation zwischen Lehrkräften und Erzieherinnen und Erziehern mit Blick auf die Unterschiede in Ausbildung, Bezahlung und Status zusätzlich erschwert wird.

Allerdings lässt sich aktuell beobachten, dass diverse Unterschiede, die bislang als strukturell bzw. systembedingt beschrieben wurden, an Bedeutung verlieren und beide Institutionen sich in verschiedenen Bereichen annähern: Die Qualitätsdiskussion im Kita-Bereich, welche unter dem Leitmotiv "Auf den Anfang kommt es an!" die Bedeutung frühkindlichen Lernens aus neurowissenschaftlicher und entwicklungspsychologischer Sicht betont, hat die Bedeutung des Bildungsauftrags der Kita ideell gestärkt (Zimpel, 2011; Schäfer, 2005; Laewen & Andres, 2002). Diese Stärkung der Kita als Bildungsinstitution wurde in den daran anknüpfenden bildungspolitischen Initiativen, insbesondere durch die Einführung von (mehr oder weniger verbindlichen) Bildungsplänen im Elementarbereich, formal festgeschrieben. Parallel dazu gewinnen aufgrund zunehmender Bedarfe auf Elternseite Fragen der Betreuung an Grundschulen immer mehr an Bedeutung, in der die Lösungsansätze von Randzeitbetreuung bis Ganztagsschulausbau reichen (Appel, 2009). Selbst die Selektionsfunktion ist aus der Perspektive der Praxis betrachtet nicht mehr nur eine Funktion, die der Grundschule Vorbehalten ist. Während aus bildungspolitischer Sicht versucht wird, die Grundschule und besonders den Anfangsunterricht in diesem Bereich zu entlasten (z. B. durch die Etablierung jahrgangsübergreifenden Unterrichts mit flexibler Verweildauer, die Abschaffung des Ziffernzeugnisses in Klasse 2 oder der Entscheidungsübertragung auf die Eltern), gewinnt in der Kita-Praxis die Einschulungsuntersuchung immer mehr an Bedeutung: Aus Sicht der Familien stehen das eigene Kind und damit die unterschiedlichen Erfahrungen und Entwicklungen die es in Familie, Kindertageseinrichtung und sozialem Umfeld gemacht hat, bei der Einschulungsuntersuchung im direkten Vergleich mit anderen Kindern (Faust-Siehl & Speck-Hamdan, 2001). …

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