Academic journal article Studia Musicologica

Fragmente Des Budaer Antiphonars Im St. Adalbert-Verein Trnava Und Im Archiv Des Slowakischen Nationalmuseums

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Fragmente Des Budaer Antiphonars Im St. Adalbert-Verein Trnava Und Im Archiv Des Slowakischen Nationalmuseums

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Das Budaer Antiphonar oder Pressburger Antiphonar III zählt zu den bedeutendsten Quellen der Musikkultur im mittelalterlichen Ungarn.1 Es umfasst das Grundrepertoire des Offiziums nach dem Graner Ritus2 und wird zu den Prachthandschriften der kirchlichen bzw. politischen Zentren des Landes - Esztergom (dt. Gran) bzw. Buda (dt. Ofen) - gezählt.3 Es entstand im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts unter dem starken Einfluss eines Renaissance-Skriptoriums in Buda oder vielleicht unmittelbar in einem dortigen Skriptorium. Ende des Mittelalters wurde es von dem Pressburger Kapitel benutzt und war Bestandteil seiner reichen Bibliothek. Somit dokumentiert das Antiphonar die unmittelbare Wirkung der Kunst des königlichen Hofes in Buda auf Pressburg (heute Bratislava, Slowakei).

Die Pressburger Kapitelbibliothek und ihre kirchliche Büchersammlung wurden im Laufe des Mittelalters durch die Tätigkeit der Kanoniker bzw. des reichen Pressburger Bürgertums geschaffen.4 Für die liturgische Praxis in der St. Martins-Kirche wurden Mess- und Offizienkodizes in den großen Skriptorenwerkstätten im mittelalterlichen Ungarn und im Ausland in Auftrag gegeben bzw. von heimischen oder reisenden Skriptoren, Illuminatoren und Notatoren in Pressburg selbst hergestellt. Viele Handschriften gelangten in die Kapitelbibliothek als Schenkungen oder durch testamentarische Nachlässe: In der Mitte des 15. Jahrhunderts sind z. B. Donationen der bedeutenden Persönlichkeit des Pressburger Bürgertums, Liebhard Egkenfelder,5 der Familie List (1478), eines gewissen Johann Pottenberger (1480) sowie der Witwe Magdalena des Schultheißen Rosenthaler (1488) belegt.

Die Gesellschaftsschicht der vermögenden Pressburger Familien und die Pressburger Chorherren entwickelten verschiedene wirtschaftliche und kulturelle Kontakte miteinander. Das gesellschaftliche Leben der herausragenden Bürger der Stadt und der geistlichen Vertreter des Kapitels hatte eine direkte Einwirkung auf die Entstehung, Bestellung und Ausstattung von handschriftlichen Büchern. Zu Beginn der Tätigkeit des Kapitels im 13. Jahrhundert und am Beginn des 14. Jahrhunderts standen die liturgischen notierten Kodizes unter dem starken Einfluss von Gran, dem kirchlichen Hauptzentrum des Landes. Das Pressburger Mis- sale I6 und das notierte Brevier7 wurden mit Graner Choralnotation notiert. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts entwickelten sich jedoch die Pressburger notierten Kodizes musikpaläographisch in zwei andere Richtungen: Die notierten Handschriften und Fragmente der Kapitelbibliothek aus dem 14. und 15. Jahrhundert wurden nahezu zweihundert Jahre lang fast ausschließlich mit Metzer-gotischer oder böhmischer Notation geschrieben.8 In diesem Zeitraum ist mit dem Einfluss der Graner Notationspraxis nicht mehr zu rechnen. Im Laufe des 14. und am Beginn des 15. Jahrhunderts stand die Produktion der Pressburger Handschriften im Zeichen einer gewissen regionalen Eigenständigkeit, wobei in den einzelnen Komponenten der Handschriften (künstlerische Ausschmückung, Notation) abwechselnd böhmische bzw. österreichisch-mährische Elemente verwendet wurden. Die Buchkultur in Pressburg erlebte eine wahre Blüte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als König Sigismund die Stadt zu seiner Residenz machte. Im Laufe des 15. Jahrhunderts verstärkten sich die Kontakte Pressburgs zu Wien und Niederösterreich, und dies führte zu der Tätigkeit mehrerer bedeutender österreichischer Illuminatoren und ihrer Werkstätten in Pressburg (Meister Michael,9 Ulrich Schreier10). Weitaus weniger tritt unter den Pressburger Handschriften der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der Einfluss der Kunst des Budaer Hofes von Matthias Corvinus zum Vorschein.11 Diese Erkenntnis ist äußerst überraschend, da König Matthias 1465 immerhin die Universität Academia Istropolitana in Pressburg gründete. Im Kulturleben der Stadt dominierte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der Pressburger Propst Georg von Schönberg.12 Propst Schönberg,13 der Stadtpfarrer und Kanoniker Jan Han de Weytra14 sowie private Donatoren wie der Bürger Pottenberger,15 die Witwen List und Rosenthaler16 gaben in den siebziger und achtziger Jahren des 15. …

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