Academic journal article Journal for Educational Research Online

Erhöht eine Briefmarke Den Rücklauf Bei Postalischen Befragungen?/Does a Stamp Increase the Return in Mail Surveys?

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Erhöht eine Briefmarke Den Rücklauf Bei Postalischen Befragungen?/Does a Stamp Increase the Return in Mail Surveys?

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1.Die Frankierungsart als rücklaufsteigernde Maßnahme in einer postalischen Befragung

In der vorliegenden Untersuchung wird auf die Längsschnittstudie Bildungsprozesse, Kompetenzentwicklung und Selektionsentscheidungen im Vorschul- und Schulalter (BiKS) Bezug genommen, in deren Verlauf ein Wechsel des Befragungsmodus für eine Subgruppe notwendig wurde und postalisch administrierte Fragebögen eingesetzt wurden. In diesem Zusammenhang könnte zunächst kritisch gefragt werden, ob postalische Befragungen in Zeiten zunehmender Digitalisierung überhaupt noch sinnvoll sind. Die Antwort wäre ja, denn die Wahl des geeigneten Befragungsmodus hängt vor allem von der Zielgruppe ab. Auch wenn Haushalte heutzutage beinahe flächendeckend mit internetfähigen Geräten ausgestattet sind und daher Online-Befragungen in der empirischen Sozialforschung neben telefonischen Interviews zunehmend an Popularität gewinnen, sind papierbasierte Befragungen dennoch für bestimmte Bevölkerungsgruppen vorzuziehen. Dazu zählen aktuell noch ältere Personen, die im Vergleich zu anderen Gruppen die geringste Affinität zur Internetnutzung aufweisen. Aber auch für Minderjährige ist eine Online-Befragung nicht immer ideal. Während die Nutzung des Internets durch Kinder und jüngere Jugendliche in den meisten Familien aus pädagogischen Gründen der elterlichen Kontrolle unterliegt und entsprechend häufig nur unter mehr oder weniger strenger Aufsicht erfolgt, ist für eine persönliche Befragung dieser Zielgruppe in der Regel eine unbeeinflusste Befragungsatmosphäre wünschenswert. Damit dieser Widerspruch nicht von vornherein zu einer geringeren Teilnahmebereitschaft bzw. zu geringeren Rücklaufquoten führt, wird bei der Befragung von jungen Personen - wie auch im Fall einer Subgruppe der vorliegenden Panelstudie - bevorzugt auf Papierfragebögen zurückgegriffen.

In unserer Studie betrug die Rücklaufquote dieser postalisch versandten Papierfragebögen etwa 60 % und blieb damit hinter den Quoten der übrigen Befragtengruppen in derselben Studie zurück, die die Schülerfragebögen im Rahmen von Schulerhebungen ausfüllten (vgl. Abschnitt 2.2). Zwar halten manche Umfrageinstitute Ausschöpfungsquoten von über 65 % für unrealistisch (vgl. Porst, 1996) und würden damit unseren Rücklauf von rund 60 % durchaus als hoch be- zeichnen, andere Forscher halten dagegen Quoten von unter 85 % für inadäquat (u. a. Singleton & Straits, 2005). Um für unsere Studie den Rücklauf zu erhöhen und möglichst generalisierbare Aussagen aus den Befunden ableiten zu können, entstanden Überlegungen, welche Maßnahmen die Rücklaufquoten erhöhen könnten.

Neben empfohlenen und bereits etablierten Maßnahmen wie dem Versand ansprechend gestalteter Ankündigungsschreiben sowie dem Beilegen von Aufmerksamkeiten und Geschenken (Incentives) (vgl. Dillman, Smyth & Christian, 2009) kam die gezielte Wahl bestimmter Frankierungen von Postsendungen an die (potentiellen) Teilnehmer, namentlich die Verwendung von Briefmarken bzw. auffälligen Sonderbriefmarken, als zusätzliche Maßnahme im Rahmen unserer Befragungen in Betracht. Welchen Einfluss unterschiedliche Frankierungsmöglichkeiten (z. B. Portofreistempel, Standardbriefmarken) auf den Rücklauf und damit die Teilnahmequote an postalischen Befragungen haben, war bereits Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Häufig wurde der Vergleich zwischen Portofreistempeln und Briefmarken berücksichtigt. Bei Portofreistempeln (auch: Entgelt-zahlt-Empfänger-Stempeln) werden nur von den Teilnehmern zurückgesendete Briefe in Rechnung gestellt, während bei der Nutzung von Briefmarken die Kosten für jeden einzelnen Teilnehmer im Vorfeld anfallen, unabhängig davon, ob der Teilnehmer den Brief zurücksendet oder nicht. Seltener wird hingegen zwischen verschiedenen Briefmarkenformen - z. B. herkömmliche Briefmarken und Sonderbriefmarken - differenziert.

Bereits Mitte der 80er Jahre empfahlen Armstrong und Lusk (1987) auf Basis einer Meta-Analyse die Verwendung von Briefmarken, da dies den Rücklauf gegenüber der Verwendung von Portofreistempeln um 9 % erhöhte. …

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