Academic journal article Journal for Educational Research Online

Warum ein Erneutes Genehmigungsverfahren Im Laufenden Längsschnitt Weitreichende Folgen Für Die Datenqualität Hat

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Warum ein Erneutes Genehmigungsverfahren Im Laufenden Längsschnitt Weitreichende Folgen Für Die Datenqualität Hat

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l.Teilnahmeverweigerung in Längsschnittstudien

Längsschnittliche Bildungsstudien (Paneluntersuchungen), bei denen Gruppen von Personen über einen langen Zeitraum hinweg wiederholt befragt oder getestet werden, gewinnen aus politischer und wissenschaftlicher Sicht verstärkt an Bedeutung. Nur so können Bildungsprozesse im Zusammenspiel zwischen Individuen, institutionellen Strukturen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen angemessen beschrieben und analysiert werden (vgl. Blossfeld, 2014; Maaz, 2014). Weil die Durchführung von Längsschnittstudien mit hohem administrativen Aufwand für Forscher und Teilnehmer1 verbunden ist, sind große Stichproben in der Regel effizienter als kleine. Diese möglichst repräsentativ zu rekrutieren und über lange Zeit stabil zu halten ist dabei ein wichtiges Anliegen, denn Panelausfälle reduzieren das Analysepotential erheblich, wenn sie hinsichtlich analyserelevanter Merkmale selektiv sind (vgl. Groves, Dillman, Eltinge & Little, 2002; Groves & Petcheva, 2008). Verzerrungen treten immer dann auf, wenn das Ausfallmuster mit den untersuchten Phänomenen in Zusammenhang steht, die Verweigerer sich also von den Teilnehmern in relevanten Merkmalen unterscheiden (Groves, 2006; Peytchev, 2013). Dies ist mit zunehmender Ausfallquote wahrscheinlicher (vgl. Engel & Schmidt, 2014).

Rahmenpolitische oder administrative Vorgaben machen es notwendig, Studienteilnehmer mit formalen Prozessen zu konfrontieren. Dazu gehören gerade in Deutschland die Zustimmungen zur Studienteilnahme und den damit verbundenen datenschutzrechtlichen Vorgaben, aber mitunter auch wiederholt einzuholende Einverständniserklärungen, die Voraussetzung für eine weitere Teilnahme an der Studie sind. So verlangt das Bundesland Bremen (beispielsweise für die längsschnittlichen Erhebungen im Rahmen des Nationalen Bildungspanels) zweijährlich eine Erneuerung des Teilnahmeeinverständnisses. Derartige Maßnahmen wirken sich auf bestehende Stichproben aus, die dadurch in noch höherem Maße der ohnehin bestehenden Gefahr einer sinkenden Teilnahmebereitschaft ausgesetzt sind. Im Unterschied zum Nonresponse bei der Stichprobenrekrutierung kann (bei derartigen Interventionen) in einer prospektiven Panelstudie nicht einfach nachrekrutiert werden, bis die Repräsentativität der Gesamtstichprobe wiederhergestellt ist. Nachrekrutierungen sind hier mit dem strukturellen Nachteil verbunden, dass Teilnehmer, von denen bereits eine Vielzahl an Informationen vorliegt, durch neue Teilnehmer ohne diese Vorinformationen ersetzt werden. Aussagen zu zeitlichen Veränderungen sind somit kaum mehr möglich und, wenn überhaupt, nur durch retrospektives Erfassen relevanter Informationen und sehr aufwendige statistische Korrekturen zu kompensieren (z. B. Ribisl et al., 1996; Groves et al., 2002). Das Ausmaß dieser Problematik ist allerdings abhängig von der konkreten Fragestellung. Bei Untersuchungen von faktischen und relativ kurzfristigen Verläufen wie z. B. Jobepisoden sind die Auswirkungen geringer, bei Untersuchungen von nicht retrospektiv erfassbaren Merkmalen wie Einstellungen, Aspirationen oder sozio-psychologischen Konstrukten, oder bei Untersuchungen von Phänomenen, die sich über lange Zeiträume hinweg erstrecken, hingegen in einem Ausmaß, das echten Erkenntnisgewinn im Wesentlichen unmöglich macht.

Beim erneuten Einholen von Einverständniserklärungen mischen sich demnach zwei verschiedene Sachverhalte: zum einen die Teilnahmeverweigerung bei Erstanfragen für Erhebungen und zum anderen die Teilnehmerverweigerung in Panelstudien. Für die generelle Verweigerung bei Erstanfragen gibt es sehr unterschiedliche Gründe, die aber von Fall zu Fall unterschiedlich gewichtet werden müssen. Diese Gründe reichen von mit der sozialen Stellung zusammenhängenden Merkmalen (z. B. Arbeitsbelastung, Migrationshintergrund, Bildungshintergrund) über vorhandene Erfahrungen mit Studienteilnahmen und der Teilnahmehäufigkeit, belastenden Erlebnissen und genereller Umfrageeinstellung, Wohnortgröße und Kriminalitätsfurcht bis zur subjektiven Bedeutsamkeit des Themas der Studie (Haunberger, 2011, S. …

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