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Epistemologische ÜBerzeugungen Von Lehramtsstudierenden Bezüglich Pädagogischen Wissens: Gegenstands-, Quellen- Und Kontextspezifi Tät

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Epistemologische ÜBerzeugungen Von Lehramtsstudierenden Bezüglich Pädagogischen Wissens: Gegenstands-, Quellen- Und Kontextspezifi Tät

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1.Einleitung

Bedingungen für erfolgreiches Lehrerhandeln werden seit langem intensiv (Terhart, Bennewitz & Rothland, 2014) und unter unterschiedlichen Paradigmen sowie theoretischen Perspektiven (Tenorth, 2006) erforscht. Der kompetenztheoretische Ansatz der Professionalität von Lehrkräften (z. B. Kunter et al., 2013) fokussiert individuelle Merkmale von Lehrkräften, die er als Gelingensbedingungen für erfolgreiches Lehrerhandeln postuliert. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt der Forschung unter diesem Paradigma auf der Topologie (Baumert & Kunter, 2006; Bromme, 1992; Shulman, 1986), Erfassung (Blömeke, Houang & Suhl, 2011; Kleickmann et al., 2015; König, Blömeke, Paine, Schmidt & Hsieh, 2011; Voss, Kunter & Baumert, 2011) und Konstruktvalidierung (Kunter et al., 2011) der professionellen Wissensbestände, die für ein erfolgreiches Unterrichten notwendig sind.

Während das fachliche und fachdidaktische Wissen lange Zeit im Vordergrund dieser Bemühungen standen, sind in den letzten Jahren auch zunehmend Anstrengungen sichtbar, theoretische Konzeptualisierungen und Möglichkeiten der Erfassung für die fachübergreifenden Wissensbestände, das sogenannte pädagogische Wissen, zu erarbeiten (König & Blömeke, 2009; Voss, KuninaHabenicht, Hoehne & Kunter, 2015). Dieses soll primär in den fachübergreifenden Lerngelegenheiten der institutionellen Lehrerbildung (dem erziehungswissenschaftlichen/bildungswissenschaftlichen Studium bzw. Hauptseminar) erworben werden und nimmt einen bedeutsamen Anteil aller institutionellen Lerngelegenheiten ein (Hohenstein, Zimmermann, Kleickmann, Köller & Möller, 2014).

Der vorliegende Beitrag widmet sich einem Meta-Aspekt dieser Facette professioneller Kompetenz: Er untersucht epistemologische Überzeugungen Lehramtsstudierender bezüglich des pädagogischen Wissens. Unter dem Begriff epistemologische Überzeugungen werden in der deutschsprachigen Literatur diverse Konstrukte subsummiert, die Überzeugungen zur Natur und Genese wissenschaftlichen Wissens thematisieren (siehe Abschnitt 2.1) - im Folgenden werden also die individuellen Überzeugungen Lehramtsstudierender über das Zustandekommen und die Eigenschaften des (wissenschaftlichen) pädagogischen Wissens untersucht.

Dazu werden zunächst die prominentesten theoretischen Konzeptualisierungen des Konstrukts episte mologischer Überzeugungen dargestellt (Abschnitt 2.1) und auf den Forschungsstand zu epistemologischen Überzeugungen (angehender) Lehrkräfte eingegangen (Abschnitt 2.2). Aus diesem wird dann unter Bezug auf aktuelle Entwicklungen der pädagogisch-psychologischen Forschung zu epistemologischen Überzeugungen die Fragestellung der vorliegenden Arbeit abgeleitet (Abschnitt 3).

2.Epistemologische Überzeugungen

2.1Allgemeine theoretische Konzeptualisierungen

Die internationale pädagogisch-psychologische und erziehungswissenschaftliche Literatur beschäftigt sich seit beinahe fünfzig Jahren mit einer Vielzahl an Konstrukten, die zusammengefasst unter den Begriffen personal epistemology (Hofer & Pintrich, 2002) und epistemic cognition (Greene, Azevedo & TorneyPurta, 2008) das enthalten, was im deutschsprachigen Forschungsaufkommen meist unter dem Begriff epistemologische Überzeugungen zusammengefasst wird und typischerweise die Sicherheit, Komplexität, Quelle und Rechtfertigung von Wissen thematisiert (Hofer & Pintrich, 1997). Nach einem aktuellen Überblick von Hofer und Bendixen (2012) lässt sich ein Großteil der vorliegenden, theoretisch stark variierenden Rahmenmodelle zwei Konzeptualisierungsparadigmen unterordnen, welche im Folgenden kurz geschildert werden.

2.1.1Die Entwicklungsperspektive

Das ältere Paradigma kann als Entwicklungsperspektive bezeichnet werden, da alle enthaltenen Modelle, trotz unterschiedlicher Charakteristiken, eine sequentielle Anordnung von Entwicklungsstufen epistemologischer Überzeugungen beschreiben (Muis, 2007). Als klassische Vertreter dieses Paradigmas gelten das Perry Scheme (Perry, 1970), Women's Ways of Knowing (Belenky, Clinchy, Goldberger & Tarule, 1986), das Epistemological Reflection Model (Baxter-Magolda, 2004), das Reflective Judgement Model (King & Kitchener, 1994) sowie das Argumentative Reasoning Model (Kuhn, 1991). …

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