Academic journal article Journal for Educational Research Online

Sprachlich Bedingte Soziale Ungleichheit. Theoretische Und Empirische Betrachtungen Am Beispiel Mathematischer Testaufgaben Und Ihrer Bearbeitung

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Sprachlich Bedingte Soziale Ungleichheit. Theoretische Und Empirische Betrachtungen Am Beispiel Mathematischer Testaufgaben Und Ihrer Bearbeitung

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Walzebug, Anke (2015). Sprachlich bedingte soziale Ungleichheit. Theoretische und empirische Betrachtungen am Beispiel mathematischer Testaufgaben und ihrer Bearbeitung. Münster: Waxmann, 302 S., 34,90 euro, ISBN 978-3-83093201-7.

Das vorliegende Buch basiert auf der Dissertation der Verfasserin, die an der Technischen Universität Dortmund vorgelegt wurde. In der Dissertation beschäftigt sich Anke Walzebug mit einem sehr tagesaktuellen Thema, der potenziellen Abhängigkeit von Schulerfolg und sozialer Herkunft. Das Thema ist nicht nur in Deutschland aktuell, sondern definitiv auch in Norwegen; dem Land, in dem ich lebe, obgleich wir unsere Gesellschaft gerne als eine sehr egalitäre Gesellschaft ansehen. Man hat - hierzulande wie auch anderswo - den Eindruck, dass soziale Ungleichheiten eher ansteigen, und auch, dass soziale Ungleichheiten durch das Schulsystem reproduziert werden. Eine wichtige Frage ist daher, wie man die Reproduktion sozialer Ungleichheit erklären kann. Und, wie man das Phänomen der sozialen Ungleichheit im Bildungswesen präzise beschreiben kann. Der Ansatz und damit auch Schwerpunkt in dem hier vorgestellten Buch ist dazu, die Sprache als möglichen Faktor zu analysieren. Walzebug fragt: "Liegt hier eine sprachlich bedingte soziale Ungleichheit vor?" (S. 10) und geht dieser Frage am Beispiel des Lösens von mathematischen Testaufgaben nach.

Ausgangspunkt der Arbeit stellt die Studie Trends in International Mathematics and Science Study (TIMSS) 2007 dar und die daraus für Deutschland berichteten Ergebnisse. In TIMSS ist soziale Herkunft durch verschiedene Indikatoren charakterisiert, unter anderem durch die Anzahl von Büchern im Elternhaus. Ergebnisse aus TIMSS 2007 haben diesbezüglich gezeigt, dass Kinder aus Familien, die mehr als 100 Bücher besitzen, einen signifikanten Vorsprung in den mathematischen Kompetenzen besitzen (S. 11). In der Arbeit werden nicht privilegierte, monolingual deutsche Schülerinnen und Schüler fokussiert. Das Datenmaterial besteht aus Interviewdaten zur Bearbeitung mathematischer Testaufgaben von Schülerinnen und Schülern sowie Schüler- und Elterndaten der Studie TIMSS 2007. Ziel der Arbeit ist es, soziale Herkunft als Prädiktor der Teilhabe an schulischer Bildung theoretisch und empirisch zu beleuchten. Wie also kann Chancengerechtigkeit im Bildungswesen hergestellt werden?

Theoretische Grundlagen

Theoretisch, wie in den Kapiteln 2 und 3 dargelegt, basiert die Arbeit stark auf den Konzepten Kapital und Habitus, die von Bourdieu herrühren. Das Konzept Kapital besteht aus ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital. Der Begriff Habitus bildet die Schnittstelle zwischen objektiven, gesellschaftlichen Bedingungen und subjektivem, individuellem Handeln und Verhalten. Damit ist der Habitus als eine strukturierende Struktur zu verstehen. Er bildet die Grundlage, auf der eigene Erfahrungen aufbauen. Aus ihm entspringen jedwede Handlungen und Wahrnehmungen sozialer Praxisformen. In einer gegebenen Gesellschaft erweisen sich bestimmte sprachliche Praktiken als dominierend. Einige von ihnen gelten in der Schule als anerkannt, andere als nicht anerkannt. Wenn die schulisch anerkannten Praktiken schon innerhalb der Familie gelernt werden, ist anzunehmen, dass die Kinder für die Schule gut vorbereitet sind. Theorien, die ihren Ursprung im (sozio-)linguistischen Bereich haben, sind entsprechend ebenfalls für die theoretische Rahmung der Arbeit von zentraler Bedeutung. Für den Begriff Register, in dessen Zusammenhang international oft auf Halliday (1978) verwiesen wird, unterscheidet Walzebug in Rekurs auf Maas (2008) zwischen dem familialen (intimen), dem informellen und dem formellen Register. Ähnliche Begriffe findet man auch in den Arbeiten von Koch und Oesterreicher (1985), wo die Terminologie Sprache der Nähe und Sprache der Distanz eingeführt wird. Walzebug scheint die Theorie von Maas zu bevorzugen, weil in dieser Theorie die mediale Beschaffenheit der Sprache (Mündlichkeit versus Schriftlichkeit) im Hinblick auf soziale, gesellschaftliche Gegebenheiten charakterisiert wird. …

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