Academic journal article German Quarterly

Unpopular Virtues. The Critical Reception of J.M.R. Lenz

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Unpopular Virtues. The Critical Reception of J.M.R. Lenz

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Leidner, Alan, and Karin A. Worst. Unpopular Virtues. The Critical Reception of J M. R. Lenz. Rochester: Camden House, 1999. 167 pp. $55.00 hardcover.

Die vorliegende Untersuchung widmet sich einem Autor, der nach fast zwei Jahrhunderten dauernder Abwertung-bewirkt unter anderem durch Goethes vernichtendes Urteil in Dichtung and Wahrheit-inzwischen ein rapide steigendes wissenschaftliches Interesse auf sich zieht, nachdem er vorher schon-vor allem seit Buchner-von Schriftstellern entdeckt and geschatzt worden war. 1995 fragt Rudiger Scholz entsprechend in der "Germanistik" (1995): "wird Lenz der Buchner des 18. Jahrhunderts?" Mit Sicherheit fehlt dazu noch sehr viel-unter anderem eine Arbeitsstelle, die die uberfallige historisch-kritische Ausgabe dieses Autors der Sturm and Drang-Generation vorantreiben konnte, welche der Forschung einen weiteren Schub geben wurde, wie Leidner and Wurst zu Recht anmerken. (Immerhin gibt es inzwischen in den USA eine Lenz/Storm and Stress Society, zu deren Grundung Karin Wurst entscheidend beigetragen hat.) Beide Verfasser-vor allem Karin Wurst-haben sich bereits mehrfach mit dem Werk des Sturm and Drang-Autors auseinandergesetzt.

Sie nehmen in dieser Untersuchung der wissenschaftlichen Rezeption von Werk and Biographie Lenz' Aktualitat and Modernitat zum Ma(beta)stab: "to trace Lenz's reception is somewhat like performing an experiment in cultural history, an experiment which one has the opportunity to drop a writer with strikingly modern attitudes into the eighteenth century, then record the reactions his work has provoked over the years." (XI) Lenz' Qualitaten, die sein Werk der "Moderne" zurechenbar machen, sind fur die Verfasser "his open forms, lifelike dialogue and idiosyncratic characters", sowie die Multiperspektivitat seiner Texte, die vielfaltige and gegensatzliche Lekturen zulasse. Au(beta)erdem leisteten Lenz' Texte eine radikale Kritik an burgerlichen Werten zu einer Zeit, als these Werte gerade erst gegen die hofische Unmoral profiliert warden.

Kenntnisreich and mit klaren Akzentuierungen and BegrUndungen zeichnen die Verfasser zunAchst die lange Phase der Lenz-Abwertung nach. Sie beschreiben den Umschlag der ersten Rezeption, die sich in Sympathie and streitbare Auseinandersetzung teilte and schon zu Lebzeiten des Autors in Ablehnung and schlie(beta)lich Vergessen umschlug, die ambivalente Rezeption in der Romantik, die Ausgrenzung des Autors im 19. Jahrhundert-von einer kleinen Lenz-"Gemeinde" and Texteditionen im Umkreis der positivistischen Goethe-Forschung abgesehen-, die Entdeckung des Autors im Umkreis von Naturalismus and Expressionismus, wobei die zeitgenossische, "geistesgeschichtlich" orientierte Germanistik mit Lenz in der Regel wenig anfangen konnte and-allen voran Gundolf-site Vorurteile weitertradierte. Far die nationalsozialistische Literaturwissenschaft ist Lenz letztlich kaum brauchbar. …

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