Academic journal article German Quarterly

Irmgard Keun: Leben und Werk

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Irmgard Keun: Leben und Werk

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Marchlewitz, Ingrid. Irmgard Keun: Leben and Werk. Epistemata: Reihe Literaturwissenschaft, 261. Wiirzburg: Konigshausen & Neumann, 1999.197pp. DM 48.00 paperback.

In den letzten Jahren ist es wieder verhaltnismaBig still um die Autorin Irmgard Keun (1905-1982) geworden. Keun and ihr Werk waren in der Nachkriegszeit in Vergessenheit geraten, Anfang der siebziger Jahre new entdeckt and in den folgenden beiden Jahrzehnten von der Forschung, besonders von der feministischen Literaturkritik, new aufgearbeitet worden. Im Mittelpunkt standen dabei Keuns sieben Erzahlwerke, vor allem ihr Erfolgsbuch Das kunstseidene Mddchen(1932). Auch biographische Darstellungen von Keuns Personlichkeit and wechselvollem Leben stiitzten sich zumeist auf ihr Werk, was einer Gleichsetzung von fiktionalen Frauenfiguren and Autorin Vorschub leistete.

Genau diesen Fehler will die vorliegende Studie, ursprunglich eine Dissertation, vermeiden: "Eine neue Beschaftigung mit Irmgard Keun mul dementsprechend eine doppelte Korrektur vornehmen: eine biographische and eine erzihltechnische"(13) fordert Marchlewitz. Zu diesem Zweck gliedert sie ihre Darstellung in zwei Hauptabschnitte. Auf den einleitenden biographischen Teil von circa dreiBig Seiten, in dem "erstmalig eine gesicherte biographische Skizze auf der Grundlage newer Daten and Fakten"(13) erstellt wird, folgt eine umfangreiche Werkanalyse, in der Marchlewitz die sieben Romane and Erzahlungen Keuns auch unter dem Aspekt ihrer autobiographischen Pragung behandelt. Sie bestreitet also nicht die autobiographische Komponente, doch will sie these aus der Biographie selbst herleiten.

Anstatt, wie bisher, anhand des Werkes Keuns Biographie zu erklaren, soil also der umgekehrte Weg beschritten werden, da er der Autorin zufolge aus der Sackgasse einseitig biographischer oder soziologischer Deutungen herausfiihre: "Durch das Zusammenspiel von biographischer and erzahltechnischer Analyse korrigiert oder erganzt these Arbeit die vorliegenden historisch-soziologischen Ausschnittsinterpretationen and zeigt als Ergebnis such einen vollig neuen Zusammenhang zwischen Leben and Schreiben bei Irmgard Keun auf" (14). Hier wird ein sehr hoher Anspruch formuliert, dem die Autorin, vor allem im Interpretationsteil nicht gerecht wird.

Die einfuhrende biographische Skizze ist aiberaus grundlich and detailliert recherchiert and enthalt eine Reihe bisher unveroffentlichter Dokumente and Briefe. Im faktischen Bereich bietet Marchlewitz einen informativen and gut lesbaren Uberblick fiber Keuns Lebensweg. Aus dem biographischen Material zieht sie die Schlussfolgerung, class Keun zeit ihres Lebens vergeblich um die Anerkennung ihres Vaters gerungen, was sowohl spi/tere Liebesbeziehungen als such ihren ambivalenten Charakter gepragt babe (22). Diese Deutung mag durchaus zutreffen, aber indem Marchlewitz diese Sicht such ihren Romaninterpretationen zugrundelegt, gerat sie in genau jene autobiographische Interpretationsfalle, die sie ja explizit vermeiden wollte. …

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