Academic journal article German Quarterly

Theodor Fontanes Erzählwerk im Spiegel der Kritik. 120 Jahre Fontane-Rezeption

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Theodor Fontanes Erzählwerk im Spiegel der Kritik. 120 Jahre Fontane-Rezeption

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19th Century and Fin-de-Siècle Literature and Culture

Chambers, Helen. Theodor Fontanes Erzählwerk im Spiegel der Kritik. 120 Jahre Fontane-Rezeption. Trans. Verena Jung. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2003. 201 pp. euro19.80 paperback.

Die deutsche übertragung von Helen Chambers' detaillierter und klar gegliederter Rezeptionsgeschichte zu Fontanes Erzàhlwerk ist eine erweiterte Fassung der 1997 im Verlag Camden House erschienenen Originalausgabe. Diese Neuerscheinung ergänzt vorhandene bibliographische Arbeiten, z.B. jene von Charlotte Jolies, indem sie einen Überblick iiber Trends in der Fontane-Forschung im deutschen Sprachraum und im Ausland liefert und ein breites Spektrum an Beiträgen in den jeweiligen historischen und nationalen Kontext stellt.

Chambers' Untersuchung bietet sowohl Wissenschaftlern als auch Studenten in der Germanistik und Komparatistik eine Zusammenfassung der zentralen Ansätze und Fragen der Fontane-Rezeption bis 2002. Die ersten zwei Kapitel behandeln die friihe Kritik und zeitgenössische Rezensionen sowie Beiträge aus den Jahren 1920 bis 1969. Chambers wertet die zwanziger und sechziger Jahre als "Renaissancen" des wilhelminischen Autors, in denen vermehrt die Gesellschaftskritik und der Realismus Fontanes untersucht werden. Das dritte Kapitel uber die wachsende Bandbreite der Fontane-Forschung in den siebziger Jahren hebt komparatistische sowie rezeptionsgeschichtliche Ansätze hervor. Im umfangreichsten vierten Kapitel zu den achtziger und neunziger Jahren geht Chambers aufgrund der ansteigenden Anzahl an Forschungsbeiträgen selektiv vor. Der Rahmen dieses Kapitels umfasst Arbeiten zur Rezeptionsgeschichte, zum Realismus, zur Medienwissenschaft, zur psychoanalytischen und feministischen Kritik sowie zum Patriotismus Fontanes. In Kapitel funf erlautert Chambers den Standort Fontanes im europaischen Realismus. Der Epilog (im Vorwort als "Kapitel sechs" bezeichnet) liefert einen Uberblick der Forschung seit 1996, die neuerdings auch Fontanes "dunkle Seiten," z.B. Antisemitismus, oder Sexualität und Tod ins Auge fasst.

Die Stärke von Chambers' Studie liegt darin, einen breiten Rahmen der Forschung auf eine übersichtliche Art zusammenzufassen und einprägsam zu gliedern, so dass der Leser den Wald vor Baumen nie aus den Augen verliert. An manchen Stellen bleibt die Lesbarkeit der Übersetzung leider durch unorthodoxe Zeichensetzung hinter dem Originaltext zurück, wenn sie auch den Inhalt akkurat wiedergibt und den Wert der Gesamtstudie nicht beeinträchtigt. Insgesamt zeigt Chambers, wie die Fontane-Rezeption im Laufe der Jahrzehnte aktuellen Trends gefolgt ist. Dabei geht das Interesse von textimmanenten Realismusuntersuchungen in Analysen feministischer, psychoanalytischer und literaturtheoretischer Prägung uber. …

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