Duden Etymologie: Herkunftsworterbuch Der Deutschen Sprache

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K

1Kabaretts ,,zeit- und sozialkritische Kleinkunstbühne'': Am Ende, des 19. Jh.s aus afrz. cabaret entlehnt, dessen urspr. Bedeutung wohl mit ,,Schenke, Trinkstube" zu fassen ist. Daneben besteht eine Bedeutung,,Trink-, Teegeschirr'', die in 2Kabaretts ,,drehbare Speiseplatte, Fächerschüssel" (19./20. Jh.) fortlebt. Die Vorgeschichte des frz. Wortes ist dunkel. -- Im 20. Jh. stellt sich zu 1Kabarett die Abl. Kabarettistm ,,Künstler an einer Kleinkunstbühne''.

Kabels: Das Subst. ist seit dem 13. Jh. bezeugt. Bis ins 19. Jh. gilt es ausschließlich mit der Bed. ,,Ankertau, Schiffsseil'', in der es aus frz. câble entlehnt worden ist. Erst seit dem 19. Jh. wird das Wort auch im speziellen technischen Sinn von ,,überseeische Telegraphenleitung; isolierte Stromleitung" gebraucht. Schließlich nannte man auch die über ein solches Telegraphenkabel vermittelten Nachrichten einfach 'Kabel' (zuvor in Zus. wie 'Kabeltelegramm'). Dazu das abgeleitete Verb kabeln ,,ein überseetelegramm über Kabel aufgeben" (gegen Ende des 19. Jh.s nach gleichbed. engl. to cable gebildet). -- Die genaue Herkunft des frz. Substantivs câble ist nicht gesichert.

Kabeljaum: Der Name des zur Familie der Dorsche gehörenden Speisefischs, der in getrockneter Form →Stockfisch, getrocknet und gesalzen →Klippfisch genannt wird, gelangte im 16. Jh. aus mniederl. cabbeliau (= niederl. kabeljauw) über mnd. kabelow, kabbelouw ins Frühnhd. -- Die Herkunft des niederl. Wortes, das zuerst im 12. Jh. in der latinisierten Form cabellauwus vorkommt, ist ganz unsicher. Es stammt auf jeden Fall nicht aus span. bacallao oder port. bacalhau ,,Stockfisch'', die erst viel später als das niederl. Wort bezeugt sind (eher ist eine umgekehrte Entlehnung denkbar). Gleichwohl hängt das niederl. Wort mit dem span-port. Wort und mit frz. cabillaud ,,Kabeljau'' (13. Jh.) irgendwie zusammen.

Kabinew: Das Subst. erscheint zuerst am Anfang des 17. Jh.s mit der auch heute noch üblichen Bed. ,,Wohn- und Schlafraum auf Schiffen für Offiziere und Passagiere''. Es ist in diesem Sinne aus gleichbed. engl. cabin entlehnt. Im übertr. Sinne bezeichnet man heute als 'Kabine' u. a. auch den Führersitz bestimmter Flugzeugtypen, ferner einen kleinen Umkleideraum (z. B. in Badeanstalten). Auf die Form des Wortes Kabine hat in neuster Zeit das entspr. frz. Subst. cabine ,,Koje; Kajüte; Kabine" eingewirkt, das selbst aus dem Engl. stammt. -- Engl. cabin seinerseits führt über mengl. caban[e], afrz. (= frz.) cabane ,,Hütte; Koje; Zelt'', gleichbed. aprov. cabana auf spätlat. capanna ,,Hütte (der Weinbergshüter)" zurück. Weitere Herkunft ist unsicher.

Kabinetts: Das seit dem 16./17.Jh. bezeugte, aus frz. cabinet entlehnte FW erscheint zuerst mit der urspr. Bedeutung des frz. Wortes ,,kleines Gemach, Nebenzimmer''. In der Folge werden verschiedene übertragene Bedeutungen des Wortes aus dem Frz. übernommen, wie ,,abgeschlossener Beratungsund Arbeitsraum eines fürsten oder Ministers" und ,,engster Beraterkreis eines fürsten''. An die letztere schließt sich die heute gültige Bedeutung von 'Kabinett' im Sinne von ,,Kreis der die Regierungsgeschäfte eines Staates wahrnehmenden Minister" an.

Die Bed. ,,Zimmer zur Aufbewahrung von Sammlungen'', die für 'Kabinett' schon im 16./17. Jh. bezeugt ist, lebt heute noch in Zus. wie Raritätenkabinett (17. Jh.), Wachsfigurenkabinett (19. Jh.) und Kabinettstück ,,besonders gelungenes Prachtstück; Kunststück" (18. Jh.; bezeichnet eigtl. ein auserlesenes Stück, wie es für eine Sammlung geeignet wäre). -- Frz. cabinet ist wahrscheinlich eine alte Verkleinerungsform zu dem etymolog. nicht geklärten Subst. afrz. cabine ,,Spielhaus'', das nicht identisch ist mit dem aus dem Engl. übernommenen nfrz. Subst. cabine ,,Kajüte, Koje" (s. das FW Kabine).

Kabuse, Kabüsew: Der vorwiegend in nordd. Mundarten gebrächliche Ausdruck für ,,enge Kammer; kleine Hütte; schlechte Wohmmg" stammt aus der niederd. Schiffersprache: mnd. kabūse ,,Bretterversehlag auf dem Schiffsdeek, der zum Kochen und Schlafen dient'', vgl. mniederl. cabūse ,,Schiffsküche, Vorratskammer''. Die weitere Herkunft des Wortes, das vielleicht eine verdunkelte Zusammensetzung mit niederd. hūs ,Haus" ist, ist dunkel. Vgl. den Artikel Kombfise.

Kachelw: Die nhd. Form des Wortes geht über mhd. kachei[e] auf ahd. chachala zurück. In den ältesten Sprachzuständen bedeutete das Wort bis in die mhd. Zeit hinein aussehließlich ,,irdener Topf; irdenes Gefäß''. Daraus entwickelte sich dann die heute gültige Bed. ,,Ofenkachel, Fliese''. Quelle des Wortes ist eine vlat. Nebenform *caccalus von lat. caccabus ,,Tiegel, Pfanne'', das selbst LW ist aus gr. kákkabos ,,dreibeiniger Kessel''. -- Zus.: Kachelofen (spätmhd. kacheloven).

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(Einhorn, 1992, p. 25)

(Einhorn 25)

(Einhorn 25)

1. Lois J. Einhorn, Abraham Lincoln, the Orator: Penetrating the Lincoln Legend (Westport, CT: Greenwood Press, 1992), 25, http://www.questia.com/read/27419298.

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  • Title Page 3
  • Vorwort 5
  • A 7
  • B 44
  • C 92
  • D 97
  • E 125
  • F 150
  • G 193
  • H 241
  • I 280
  • J 293
  • K 300
  • L 381
  • M 413
  • N 459
  • O 474
  • P 486
  • Q 540
  • R 545
  • S 581
  • T 698
  • U 727
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    "Portraying himself as an honest, ordinary person helped Lincoln identify with his audiences." (Einhorn, 1992, p. 25).

    "Portraying himself as an honest, ordinary person helped Lincoln identify with his audiences." (Einhorn 25)

    "Portraying himself as an honest, ordinary person helped Lincoln identify with his audiences." (Einhorn 25)

    "Portraying himself as an honest, ordinary person helped Lincoln identify with his audiences."1

    1. Lois J. Einhorn, Abraham Lincoln, the Orator: Penetrating the Lincoln Legend (Westport, CT: Greenwood Press, 1992), 25, http://www.questia.com/read/27419298.

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